Innenansichten, Lauf der Dinge

Es ist leben

Nebelweg2 Ich wartete auf den Moment, in dem die Worte weg sein würden und lief an ihrer Seite durch den Nieselregen.
Die Feuchtigkeit ließ unsere Haare Kringel schlagen und trug mir die Laute aus dem Mund, wie eine Quelle den Bachlauf.

“Ich bin nicht stark.”, sagte ich und die Hitze meiner Scham stieg hinter meine Augen, als hätte ich ein Geheimnis- eine Wahrheit tief aus mir heraus gestanden.
Mein Blick hielt sich an ihren Schuhen fest. “Es ist nur… überlebt. Nur über etwas drüber gelebt. Das ist nur leben.”.

Ich versuchte am Himmel vorbei ins Universum zu schauen. Zu sehen, ob etwas auf mich schaut. Vielleicht böse oder mahnend.
Doch außer dichten, vom kreischenden Licht der Welt, angestrahlten Wolken, war nichts zu sehen.
“Ich habe nichts dafür getan zu leben. Das ist einfach passiert. Ich lebe einfach nur. Die ganze Zeit.”. Ich schaute zu ihr und streifte ihre Augen, um an den kleinen Tropfen auf ihrem Mützenrand auszuharren. Beobachtete vom Rand meiner Iris aus, wie meine Worte in sie hineinfielen.

“Manche Menschen verwechseln die Wucht dessen, was wir erlebt haben, mit dem, was nötig ist, um übrig zu sein.”. Ich spürte, wie mich ihr Sein aufspreizte und wie auf einen weißglühenden Draht gezogen, die Luft anhalten ließ. “Verstehst du das?”.

Sie runzelte die Stirn und zog ihr Gesicht zurück, so dass es fast gänzlich hinter ihrem Schal verschwand.

“Da ist dieses Denken, dass man gegen alles kämpfen kann, wenn man nur will oder muss. Als wäre es ein Kampf zu leben.”. Ich sehe sie aus ihrem Gefängnis heraus über den Boden schauen. Sehe wie ihre Finger nach Moos tasten, um Feuchtigkeit herauszudrücken.
“Der eigentliche Kampf ist aber, bewusst zu kriegen, dass man noch nicht tot ist.”.

Die Gemögte hielt uns ihre Hand hin und ließ sie sinken, als sie keine Anstalten machte, danach zu greifen.

“Alles, was dann kommt ist leben auf die Art, wie es dann gerade geht. Mit allem was übrig ist. Von einem selbst und dem was man im Außen findet.”, sie streichelte NakNak*s Halskrause und gab ihr ein Stück Käse. Ich fühlte ihren Durst. Spürte, wie ein Etwas beiläufig die Tropfen aus NakNak*s Fell von den Fingerspitzen aufnahm.

Ich drehte mich zu ihr und versuchte im Dunkel zu sehen, wie es ihr ging.
”Es ist nicht fair…”, sagte sie tapfer erstickend, was in ihr wallte und sich an mir brach.

“Es ist das Leben.”, antwortete, was mich zerriss und mit dem Dunst des Dezemberabends verschmelzen ließ.

6 thoughts on “Es ist leben”

  1. ich glaube, ganz viel von der „wucht“, die eben doch nötig war, um weiterzuleben (auch wenn es „nur leben“ war/ist) kommt aus dem körper… ohne bewusste entscheidung, ohne psychische kampfansage, einfach reflexartiges weiterleben, nicht loslassen wollen im sterben- und irgendwie doch erstaunlicherweise immer wieder die schlimmsten „crashs“ „über-atmen“….

  2. … aber eben Deine und eure Leistung. Deine Leistung, die Du und ihr Kraft eurer Persönlichkeiten-in-Summe (entschuldige bitte, das ist grammatikalisch nicht korrekt, die Bindestriche scheinen mir aber sinnstiftend) erbracht habt und erbringt.
    Das passiert nicht einfach so. Dafür könnt ihr euch ruhig ab und zu gratulieren und Rosenblätter streuen ;-).
    PS: darf ich mir dazupassend was für Weihnachten wünschen?

  3. Das mit dem Gratulieren und Rosenblattstreuen 😉 Und auf Foto festhalten. Und das pinnst Du Dir dann prominent in die Wohnung, damit Du das immer sehen kannst. Und davon würd ich mir wieder ein Foto wünschen 🙂

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