Lauf der Dinge

von Helikopter-Eltern und gefährlichem Rückgrat

Gleich zwei Mal sind heute  überbehütete Kinder in der Presse.

Es geht um Eltern, die ihre Kinder vor etwas, dass sie als schädigend, ihre Erziehung- ihre Werte unterwandernd wahrnehmen, bewahren wollen. Oder besser gesagt: fernhalten wollen.
In den Artikeln geht es um Dinge die, so die Tendenz der Artikel, lächerlich erscheinen.

Es kommt mir vor, als wollten sie sagen: „Guckt mal, was das für Weichpittis sind oder zwangsläufig werden müssen. Schaut, wie es ist, wenn diese Kinder von SchülerInnen zu StudentInnen werden! Lauter lebensunfähiges Pack!“.

Zugegeben, wenn ich in der Uni sitze oder in der Bibliothek selbiger und so manche StudentInnen bei ihren Gesprächen belausche, oder auch wahrnehme, was ihre Nöte sind, so frage ich mich, wie sie in ihrer Lebensrealität zurecht kommen. Frage mich, wie ihre Wohnungen aussehen oder auch, wie es sich wohl anfühlt mit Anfang 20 noch bei den Eltern zu wohnen.

Wie sind sie bisher bloß durch das Leben gekommen?
Meine Abendrealschulzeit war anstrengend für mich. Ich hatte in der Zeit stark abgenommen, mein Leben war ein Schlachtfeld und meine Psyche lag am Ende brach.
Ich hatte niemanden, der mich dazu anhielt meine Hausaufgaben zu machen und nebenbei meine erste eigene Wohnung sauber und ordentlich zuhalten. Da war niemand und das war eben so.
Ich musste mich selbst organisieren, mich selbst motivieren, selbst Lösungswege erarbeiten und Strukturen pflegen.

Und da beginnt in meinen Augen genau das Thema, um das auch geht, wenn wir von Helikopter-Eltern und unserem Bildungssystem sprechen.

23772_web_R_by_Petra Morales_pixelio.deSchule in Deutschland meint „Bulimie-Lernen“- nicht „für das Leben lernen“.
Es ist stupidestes Auswendiglernen- Wissen in sich hineinfressen und pünktlich zur nächsten Klausur auskotzen. Es ist unhinterfragtes Aufnehmen. Entkernendes Platzen auf ein Signal hin.

Es ist die gleiche Haltung, die Kinder und junge Erwachsene an den Tag legen, wenn ihnen stets und ständig etwas abgenommen und im Alltag für sie reguliert, kontrolliert- für sie hinterfragt wird.

Was am Ende herauskommt sind funktionierende Maschinenmenschen. Sie stopfen und kotzen, konsumieren und produzieren streng nach Vorgabe von Zeit und Raum, Anlass und Möglichkeiten.
Sie haben keine Chance einen eigenen Willen zur Nutzung ihrer Begabungen und Neigungen zu entwickeln. Oft haben sie nicht einmal die Chance, diese unbeeinflusst und ganz allein für sich zu entdecken.
Schlimm?
In Anbetracht der Tatsache, dass genau dies immer wieder und überall gefordert wird, ist es doch das Beste um zu Erfolg in Form von Zetteln und Titeln zu kommen und damit eine relative Sicherheit der eigenen Versorgung zu konstruieren.

Und doch ist da dieses leise Glimmen: Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit und Funktion. Da ist doch noch etwas…Ach ja- Werte, Moral, Gefühle, soziale Bedürfnisse die Kompetenzen zur Erfüllung abverlangen.

Wo lernen unsere Kinder das?
Von ihren Eltern? Dem sozialen Umfeld außerhalb der Familie?
Das halte ich für fraglich. Gemeinschaft ist an Gleichheit orientiert. So haben Kinder aus der Mittel- und Oberschicht, eher keine Kontakte zu Kindern der Unterschicht. Das gleiche Muster ist auf die Achsen „race“, „gender“ und „age“ übertragbar.
Genauso, wie sie als Erwachsene eingeteilt werden, so werden sie bereits als Kinder eingeteilt.
Erst wenn es einen Bruch gibt verlassen sie diesen Einheitsbrei und entwickeln sich eigenständig.

Und fallen damit aus der systemischen Nutzbarkeit. Der „Verwendbarkeit“, wie es der FDP-Menschenmissachter Rößler formulieren würde.

Ich persönliche halte Helikopter- Elternschaft für einen Ausdruck von Privilegien und deren Sicherung.
Kinder zu bekommen ist ein Privileg. Das ist nicht nur gleichgeschlechtlich liebenden Paaren schmerzlich bewusst. Auch jenes arme Paar, das unerwartet mit einer Elternschaft konfrontiert ist, weiß das.
Aus dem Kind soll etwas werden, wenn es denn schon da ist und die eigene Basis erheblich erschüttert- durch bloße Anwesenheit gefährdet und ein persönliches Wachstum (was meint: das Bewusstwerden über eigene Werte und Normen- vielleicht sogar das Hinterfragen selbiger) abverlangt.
Das ist, so denke ich mir manchmal übrigens auch, ein Grund weshalb selbst hochgradig privilegierte Menschen davor zurückschrecken Kinder zu bekommen. Sobald ein Kind da ist, braucht es zu allem eine eigene Meinung, eine eigene Bewertung. Man braucht ein Rückgrat- doch woher nehmen, ist jene Existenz doch in den meisten Fällen ein Garant für Arbeitslosigkeit und die soziale Position des Spinners, des Sonderlings- des Ungleichen.

Das Kind soll es mal gut haben. Erfolgreich sein. Nicht die gleichen Kämpfe, wie die Eltern führen müssen. Die Familienwerte in sich einen und wahren.

Was allein das für ein Privileg ist, wird nicht thematisiert. Ist in den wenigsten Köpfen verankert und erhält nicht die gleiche Anerkennung, wie die Umsetzung später.
Es wird nicht gewertschätzt, dass sich Eltern überhaupt um ihre Kinder sorgen. Um ihre Zukunft.
Nicht thematisiert, dass es da überhaupt Sorgen gibt, die nicht an das direkte physische und psychische Wohl des Kindes gekoppelt sind.

In diesen Artikeln geht es nicht darum zu loben, dass Eltern ihre Kinder überhaupt behüten.
Wieder sind die missachteten und unbehüteten Kinder unsichtbar. Die Kinder, die nicht mit dem Bildungssystem zurecht kommen, weil sie eben keine Sozialisierung und Erziehung erfahren, die sie in die vom System abverlangte Funktionsweise hineinintegriert.

Die Kinder, die als Jugendliche in der Abendschule sitzen und vergessen zu essen und sich Seelengutes zu tun, weil sie sich komplett an einem System, in dem ihre Fähigkeiten zur Eigenständigkeit und Kreativität als unpassend, störend, zu viel Raum einnehmend, zu sehr an den Grundfesten rüttelnd ausmachen, aufreiben.

Kinder, die später Menschen werden, deren Werte keine oder kaum Systemkompatibilität haben.
Das werden später eher nicht die Erwachsenen, die in Zeitungen, Politik oder Bildung zu FürsprecherInnen dieser Kinder werden können.

In einem Artikel wird von einer Mutter berichtet, die nicht möchte, dass ihr Kind die Skulpturen nackter Menschen sieht. Im nächsten Satz wird YouPorn erwähnt, als sei dies die Legitimierung zur Verachtung des Wunsches der Mutter.
Ob diese Mutter vielleicht auch dafür sorgt, dass ihr Kind nicht allein vorm PC sitzt und im Internet herum surft, wie es vielleicht andere Mütter tun, wird sich gar nicht erst gefragt.
Die Bemühungen der Mutter, ihr Kind auf eine andere Weise an Nacktheit und im weiteren Privatsphäre und Sexualität heranzuführen, als es die vermutete Mehrheit tut, wird ebenfalls nicht thematisiert.
Sämtliche Intensionen bleiben ausgeblendet, die eventuell dafür sorgen, ein runderes Bild der Werte und Moral dieser Mutter abzubilden.

Zu süß scheint wohl der abwertende Blick auf unfähige, selbstsüchtige, zurückgebliebene Eltern.
Parentblaming ist „in“. Härte, Abwertung, die gesamte Brutalität des Miteinanders als Norm dargestellt und an diesem Beispiel legitimiert.
„Das Leben ist hart baby- find dich damit ab- lass dir eine dicke Haut wachsen- hab dich nicht so, so ist das Leben“. Das ist die Devise und gemessen an dem, was in Bezug auf Bildung und damit assoziierte Karriere und Sicherungsmöglichkeiten abverlangt wird, ist es auch so.

Doch, wie gesagt, das Leben ist mehr als das. Die Menschen sind mehr als das.
Menschen brauchen mehr um satt zu werden als Nahrung, die sich erarbeiten.

Wie oft möchte ich diese angeblich überbehüteten StudentInnen in den Arm nehmen, um ihnen zu zeigen, dass Fürsorge und Liebe auch andere Gesichter als jenes, das ihnen ihre Eltern zeigen hat.
Wie oft möchte ich selbst jemandem, der mir die Eigenständigkeit aus dem Kopf trampelt, um auch ein Abitur zu haben.
Wie oft will ich AutorInnen von solchen Artikeln den Kopf durchschütteln, um ihren Blick zu schärfen für den Kern dieses Themas.

Wie oft habe ich schon dafür plädiert, die Schule zu etwas zu machen, wo Herzensbildung, Rückgratentwicklung und freie Wertebildung passieren.

Menschen passen sich an Gegebenheiten an.
Helikopter-Eltern passen sich in ihrer Elternschaft ergo an Gegebenheiten, wie das Schulsystem und ein Miteinander in dem Gewalt dominiert, an.

Es ist ein Symptom.
Nicht das Grundproblem.

13 thoughts on “von Helikopter-Eltern und gefährlichem Rückgrat”

  1. Hallo Rosenblatt, ich musste zweimal lesen, um sicher zu gehen, deine Position zu verstehen.
    Sei jetzt nicht böse, aber ich muss dazu was loswerden. Du machst nichts anderes als die Artikelschreiber, wenn du das Schulwesen, die Lehrer, privilegierte Eltern alle über einen Kamm scherst. Die Zeiten der Auskotzerei von Auswendig-Gelerntem sind lange vorbei, glaub mir. Es wird mehr und mehr das – Wie ergründen – das Wie Erfassen – das Wie Zusammenhänge finden gelehrt. Und in jeder Klausur sind dann Fragen dabei, wo man das Wissen umsetzen, nicht wiedergeben soll. Es wird also Eigenverantwortung für Lösungsstrategien gebildet, es werden Menschen mit dem Drang nach WEITERFRAGEN geformt, und keine Maschinen, die alles nach plappern. Und ich spreche aus Erfahrung wenn ich sage, dass mir die „Aufmüpfigen“ Kreativen, gegen den Strom schwimmenden Schüler die liebsten waren. Denn nur sie bleiben im späteren Leben freie Menschen. Und ich bin sicher kein Einzelfall im Bildungpulk gewesen, der Die Eigenständigkeit fördern wollte.
    Auch ist nicht jeder Student gleichzusetzen mit einem überbehütetem, priviligiertem Kind. Die meisten müssen nebenbei hart arbeiten, um das Studium zu bezahlen. Und egal woher sie kommen: Die Sorgen, die sie gerade haben, können doch für sie genauso schwer wiegen, wie unsere Sorgen. Das ist doch subjektiv. Das kann man doch niemals beurteilen! Meinst du nicht? Oder hast du jemals davon gehört, dass nur sehr arme Menschen Selbstmord begehen?
    Und wenn sich Eltern den Arsch aufreißen, damit sie ihr Kind studieren lassen können, dann bedeutet das doch nicht gleichzeitig, dass sie keinen Wert auf Moral, Empathie, Toleranz, Werteempfinden, und anderes legen!!!

    Sag mir es, wenn ich dich missverstanden habe! LG

  2. Schön, dass du andere Erfahrungen, als ich-wir gemacht hast,
    Schade allerdings empfinde ich es, dass du mir-uns eine Schlußfolgerung im Sinne einer Bewertung unterstellst.

    Unsere Grundhaltung ist, dass alle Eltern immer das Beste geben und vermitteln was sie für das Wichtigste halten. Wir sehen uns nicht in der Position dies zu bewerten, da wir denken dies obliegt allein jenen, um die es geht.

    Ich möchte dich bitten, dir aufgrund allein unserer Artikel, die niemals gänzlich unser Welt- und Wertebild darzustellen in der Lage sind, eine Meinung über uns oder unser Empfinden als Einsmensch zu bilden.

    Das verletzt uns, da eine Grenze überschritten wird.
    Wir kennen einander nicht und begegnen uns auschließlich hier in einem schriftlichen Medium, wo lediglich Teile unserer Wahrnehmung und Einschätzung Platz haben.

  3. Liebes Rosenblatt, ich bilde mir keine Meinung über euch. Geht gar nicht, weil ich ja weiß, dass verschiedene schreiben und denken. Das ist bei mir nicht anders.
    Kann auch nicht so richtig nachvollziehen, warum meine geäußerte Meinung zu diesen Themen eine Verletzung deiner Person darstellt. Es sollte keine Grenzüberschreitung sein, sondern lediglich ein Meinungsaustausch! Und ja, andere Erfahrungen und somit die Kenntnis anderer Perspektiven bringt uns doch weiter in unseren Wahrnehmungen.
    Hatte geglaubt, Kommentare dienen dem Meinungsaustausch.
    Aber wenn du es möchtest, dann lese ich nur noch und sage nichts mehr. Fände ich nur sehr sehr schade, denn ich mag deine ständigen Auseinandersetzungen mit den Themen des Lebens, der Gesellschaft, des Menschen. Diese breitgefächerte Offenheit bewundere ich an euch.
    Liebe Grüße von Kathrin

  4. Ich nehme deine Kommentare oft nicht als themenzentriert war, sondern als auf mich-uns, die über ein Thema schreibt, zentriert.
    Satzteile wie: „glaube mir, du..“, „Du machst…“, „Du tust…“ verursachen dieses Empfinden.

    Kommentare dienen dazu, fehlende Aspekte in Artikeln hinzuzufügen. Etwa, indem man seine Erfahrungen und weitere sachdienliche Informationen einbringt oder seine persönliche Meinung- unabhängig vom Autor- darlegt.
    Kommentare sind auch dazu da, Eindrücke und Empfindungen, die man beim Lesen hatte zu teilen.

    Sie sind nicht dazu da, dem Autor zu sagen, was er tut oder nicht. Oder tun sollte oder nicht. Oder was man persönlich meint, was er tut oder nicht.

    Wir halten niemanden davon dies zu tun, behalten uns aber das Recht vor, dies so zu empfinden, wie wir das tun und verfahren entsprechend mit Kommentaren dieser Art.

    Ihr seid eingeladen hier zu lesen und eure Gedanken und Gefühle zu den Inhalten hier zu teilen. Doch bleibt bitte beim Thema der jeweiligen Artikel, wenn ihr hier kommentiert.
    Andere Dinge könnt ihr uns gerne per Mail schreiben. Wir wollen ohne Druck virtueller Öffentlichkeit entscheiden, wie wir mit solchen Grenzüberschreitungen an uns umgehen wollen. Wann wir uns dem widmen und wie.

    Es gibt diese Grenze, die nur schwer zu erklären ist.
    Die Artikel sind eben nicht wir. Es sind Artikel, die von uns geschrieben werden und uns doch nicht darstellen. Eure Art Kommentare zu formulieren lesen sich schnell so, als würdet ihr diese Haltung haben. Es kann sein, dass dem nicht so ist und es einfach eine Ausdrucksweise ist. Unsere Gefühle sind dennoch die, persönlich angesprochen zu werden, obwohl es nur um einen Artikel von uns geht.
    Und das ist es, was großes Verletzungspotenzial hat.

  5. Hallo,
    auf diese Diskussion bin ich jetzt erst gestoßen. In meiner Vorstellung sind Kommentare dazu da, zu kommentieren. Und kommentieren kann man eigentlich alles, was in dem Artikel steht, was einem dazu einfällt, was ausgelöst wird, was man fragen möchte usw. usf.
    Ihr habt doch nicht selten schon unter eure Artikel geschrieben, daß man euch auch direkt als Mensch, der die Artikel schreibt, fragen kann, wenn etwas unklar ist. Dass die Kommentarfunktion auch dazu da ist, Fragen stellen zu können.
    Fragen an euch als Einsmensch sind also okay, Hinterfragen oder kritische Äußerungen sind aber eine Grensverletzung.
    Das erscheint mir ein wenig schwierig.
    Wenn ihr Artikel schreibt, dann schreibt ihr das mit euren Gedanken, euren Überlegungen, euren Interpretationen der Dinge usw. Wenn also jemand da etwas anders sieht, anders erlebt hat und das schreibt, dann ist es doch selbstverständlich so, daß er sagen kann, daß er das anders sieht, als ihr.
    Schule erlebe ich heute bei Kindern auch nicht mehr so, dass es Bulimielernen ist. Auch im Studium hat sich deutlich etwas verändert. Aber natürlich, und da bin ich einer Meinung mit euch, muß Wissen auf Kommando zu einem bestimmten Zeitpunkt abrufbar und anwendbar sein. Wie sonst soll auch entschieden werden, wer einen Studienabschluss bekommt und wer nicht?
    Ich persönlich würde mich nicht gerne bei einem komplett „ungeprüften“ Mediziner auf den Operationstisch legen, der nicht fähig ist, sein erlerntes Wissen adhoc auf Kommando in der Unfallchirurgie abrufen zu können. Und das trifft letzendlich auf fast alle Berufe zu.
    Alles Gute,
    Mosine

  6. Hallo Mosine,

    was mir gerade wichtig ist, ist zu verdeutlichen, dass wir zu dem Thema „Helikopter-Eltern“ versucht haben keine Wertung vorzunehmen.
    Weder steht dort: „diese Eltern machen etwas falsch“ noch: „Alle anderen machen es falsch“.

    Uns entsprechend anzusprechen, als wäre dem so, empfinden wir ergo mindestens mal schief.
    Der einzige persönliche Anklang dazu war, die Schilderung, wie wir unsere Schulzeit erlebten und wie wir das Bildungssystem wahrnehmen.
    Das kann natürlich hinterfragt werden. Wir sind die Letzten, die sich hinstellen und sagen ihre Portion Weisheit, wäre die Größte gewesen.
    Und aber seine Meinung zu schreiben, als täten wir dies, empfinden wir als ungerechtfertigte und paternalistische Zurechtweisung, von jemandem, der wir nicht einmal kennen. Das soziale Verhältnis rechtfertigt diese Haltung zu bzw. diesen Umgang mit uns gar nicht.

    So.
    Mal ganz davon abgesehen, frage ich mich, warum ausgerechnet wir hier- in unserem Wohnzimmer-Blog!- noch verteidigen sollen, wann wir etwas als grenzverletzend empfinden! Das hier ist unser Ort- nicht deiner, nicht der von Mariesofie oder sonst irgendwem, der hier ab und zu vorbei kommt.
    Wir beantworten gerne Fragen, diskutieren auch gerne die Themen, die hier aufkommen- aber, wir sind hier keine weiße Wand für die Projektionen anderer. Wenn wir merken, da hat jemand ein schiefes Bild von uns, bekommt er/sie eine entsprechende Rückmeldung, sobald er/sie sie hier über uns drüber stülpen möchte. Sei es in den Kommentaren oder per E-Mail.
    So sind wir und fertig.

    Wer damit nicht zurecht kommt und lieber mit Menschen zu tun hat, die sich alles annehmen, was von wildfremden Menschen kommt (und das vielleicht sogar für sich braucht), der ist nicht gezwungen, hier zu lesen.
    Wir rechtfertigen uns nicht, wenn wir merken, dass wir das nicht möchten.

  7. Das Problem ist lediglich, daß ihr euren Wohnzimmer-Blog weltweit zur Verfügung stellt und somit eine öffentliche Meinung bekundet. Und sei es nur durch die Themenauswahl und eure Art der Stellungnahme zu bestimmten Themen.
    Da passiert es, dass Kommentare zu euch kommen. Das kann euch nicht gefallen, wird aber nichts ändern.
    Da hilft nur: Nicht drüber ärgern oder nicht-bloggen.
    Denn Fakt ist, ihr steht damit als Mensch im Internet mit eurer Meinung. Die mag nicht vollständig sein, mag nicht euch als Einsmensch wiederspiegeln usw. Kann ich alles durchaus akzeptieren, sehen und nachvollziehen. Macht es aber nicht weg, daß ein Teil von euch als Mensch hier lesbar ist.
    Ich verstehe gerade die Agressivität in eurer Antwort nicht.
    Da habt ihr jetzt eindeutig mich als Einsmensch angegriffen und verletzt. Womit ich aber leben kann, denn ich habe ebenfalls meine Meinung ins www gestellt und bin damit angreifbar. So ist das.

  8. Nö. Was hier diskutiert und freigeschaltet wird entscheidet jeweils die_derjenige der_die bloggt. Dementsprechend obliegt den WordPress-Mieter_innen die Regulationsmöglichkeit der Comments. Zudem wird hier weder Politisches zur Betroffenheit der Gesamtbevölkerung noch sonstwas entschieden, so dass ich Nachhilfecomments a la „Das muss mensch soundso sehen“ nicht konstruktiv finde. Hier wird eine Sichtweise mit Leser_innen geteilt. Wer der Schreibenden den Text vorschreiben will sollte sich bei Stephen Kings „Mysery“ anmelden. My two cents.

  9. Was du leider nicht verstehst ist, dass du gerade mit der Öffentlichkeit des Internets bzw. mein Schreiben hier, Gewalt an mir (in Form von Grenzverletzungen) legitimierst.
    So ist es nicht.
    Nur, weil sich jemand an die Öffentlichkeit wendet, vertritt er nicht automatisch eine „öffentliche Meinung“. Geschweige denn, ist er freigegeben für Grenz-Verletzungen jedweder Art.

    Wofür die Kommentare da sind, habe ich ausgeführt.
    Was für ein Miteinander ich mir hier wünsche, ist am Willkommenschild ganz oben rechts in der Blogleiste erkennbar. Nicht nur ich möchte mich hier sicher und gut fühlen.
    Wie ich deine Kommentare empfinde und welche Grenze ich in dieser Diskussion verletzt fühle ebenfalls.

    Du bist eine Konsumentin meiner Texte, wenn du sie liest.
    Sobald du deine Meinung hier schreibst, gelten meine Regeln.

    Wie ich damit umgehe, wenn ich sie nicht gewahrt sehe, ist meine Sache. Ich diskutiere das nicht und lasse das auch nicht hinterfragen. Es ist mein Blog, mein von mir gestaltetes Stück Internet, für das ich allein sowohl die Verantwortung vor dem Gesetz, WordPress, meinen LeserInnen und auch mir und meinem Wohlbefinden tragen muss.

    Ich möchte diese Diskussion an dieser Stelle beenden und werde keine weiteren Kommentare an dieser Stelle freischalten bzw. stehen lassen.

    Wenn jemand Klärungsbedarf hat (oder noch einmal nachtreten möchte- solche Bedürfnisse solls ja geben): meine Emailadresse ist im Impressum zu finden. Wenn ich das möchte, lese ich sie.

  10. Ist zwar alles schon lange her, aber ich muss doch auch nochmal sagen, dass ich den Artikel sehr gut fand und viele Eurer Gefühle/Assoziationen teile, besonders, da mir auch so ein beschützendes/rückenstärkendes/behütendes Elter während der Schulzeit (in der Unizeit habe ich nicht mehr das Gefühl eines zu brauchen) gefehlt hat und ich meine gesamte (ziemlcih lange) Schulzeit und auch mein Studium genau so empfinde, wie ihr es beschreibt. Ich sehe hier auch keine Veränderung hin zu einem kritischeren oder gar liebevolleren, geduldigeren System, gerade an der Uni eher das Gegenteil: noch mehr optimieren, noch effizienter, schneller, verwendbarer…
    Ich musste einige Stellen auch zweimal lesen, um sicherzugehen, Euren Punkt ganz zu verstehen, aber es hat sich auch gelohnt und ich fand viele bereichernde und neu formulierte Aspekte darin.
    Bezüglich der Kommentare hier war ich schon überrascht, dass ihr überhaupt so viel davon freigeschaltet und beantwortet habt. Darauf kommt es zwar nicht an, aber ich empfand vieles davon auch von außen als grenzüberschreitend und die Diskussionskultur….nun ja, irgendwie unaufgeklärt bezüglich solidarischer/emanzipatorischer/feministischer Kritikäußerung. Das ist hier definitiv Euer Raum, Eure Mühe und Euer Kommunikationsfenster, in dem ihr entscheidet, wer wie und worüber mit Euch spricht.

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