Die Helfer_Innen und die Hilfe, Innenansichten, Lauf der Dinge

vom Vielheitsnetz und der Therapie

Und schon wieder krabbelt das erste Tageslicht und Vogelzwitschern in meinen nächtlichen Dunstgrübelbrei. Adieu, du schnöde Schnapsidee von einem Nachtschlafrhythmus.

Ich grüble über die letzte Therapiestunde und die Therapie allgemein. Ich bin so dumpf erstummt in der letzten Zeit und empfinde mein Alltagwirken als unpassend dort.
Nicht, weil die Therapeutin es mir vermittelt, sondern, weil es von je her wenig bis nichts mit dem zu tun hat, was wir er- und bearbeiten wollen. Es ist eine selbst gewählte Ergotherapie, die ich hier jeden Tag mache und das ist okay.

Es gibt Berührungspunkte, aber kein zentrales Zusammenspiel.
Letztes Mal, war es das Baugerüst und der Akt um dort hin zu kommen, der mich hat so wegkippen lassen. Irgendwie immer wieder in diesen Zustand vom Warten auf nichts und währenddessen so tun, was man eben so tut. Während andere Innens Psychotherapie „tun“.

Sie waren da und haben- ja was eigentlich? Haben sie geredet oder einfach nur da gesessen und vor sich hinverstoffwechselt? Hab sie gearbeitet oder nur herumgecreept? Haben sie einen Zeitbezug oder nicht? Haben sie etwas getan, was die Therapeutin etwas über mich denken lässt?

Ich versuche mich zu konzentrieren, versuche die Tagebucheinträge dazu zu verstehen und kanns einfach nicht. Da ist nichts. Ich finde keinen Punkt, an dem ich mich festhalten und von dort aus weiterarbeiten kann. Das einzige verbindende Element ist der Satz, der nachwievor ständig und ständig von „hinten rechts“ kommt und einen Handlungsdruck erzeugt, den ich noch immer nicht zu erfassen in der Lage bin.

Wir sprachen vom „leiser machen“, vom „Abschirmen“ und eigentlich würde ich gern langsam wie irre darüber lachen. Nicht, weil das nicht geht, sondern, weil es davon nicht aufhört.

Sie riss mir kurz ab, was in der Stunde war, aber schon bei „ein Kind“ klinkte sich mein Ich-Bezug aus. Ich schaltete in den Erklärmodus und versuchte ihr eine Brücke zum Verständnis zu machen- nicht mir selbst.
Warum?
Weil ich etwas über die Kinderinnens von anderen Außenmenschen weiß und sie nicht.
Und, weil ich nicht weiß, was gewesen ist, was dazu geführt haben könnte, dass eines da war. Wenn sie anfinge mit mir das zu erraten, könnte es wieder passieren, also tun wir das nicht.

Sollten wir das tun? Ist das wichtig? Wo führt uns das hin? Zum Satz- Ende oder auf ein weiteres Nebengleis im Vielheitsnetz meines Kopfes?

Sind wir noch da woran wir arbeiten wollten?
Ist es die Notwendigkeit, wie ein Krake mehrere Bereiche berühren zu müssen und in seinem Kopf simultan beizubehalten oder meine Unfähigkeit, eingleisig bei einem Thema zu bleiben, die es mir unmöglich machen, die Stunden selbst zu nutzen?

Ich bin nur eines von vielen Innens. Vielleicht bin ich gerade nicht wichtig?
Oder ist es die Therapie selbst, die die anderen Innens zum Auftauchen zwingt? Was tut sie, dass mein Gehirn meint, einen anderen Funktionsmodus anzuschalten, als meinen? Ist es etwas, das sie sagt oder tut? Etwas im Raum? Ist es unsere Anpassung auf das ständige innere Hören des Satzes, das uns Dinge nicht wie sonst wahrnehmen lässt und entsprechend auch nicht in der Therapie arbeiten lässt, wie sonst?

Es ist halb 5 Uhr morgens und ich weiß, dass mich diese Fragen350215_web_R_by_GesaD_pixelio.de bis zum nächsten Termin beschäftigen werden. Obwohl ich gerade wie ein Krake auf meinem Alltagsgeschehen sitze und nur einen Arm auf dem Therapierhizom habe.
Wenn der Termin ist, versuche ich mich ganz darauf zu pflanzen und daran festzukrallen.
Wohlwissend, dass ich, obwohl selbst ein Krake- doch wieder nur ein Saugnapf von vielen, an einem Arm von vielen, eines noch viel größeren Kraken bin.

6 thoughts on “vom Vielheitsnetz und der Therapie”

  1. Vielleicht ne blöde Frage, aber gibt es die Möglichkeit, die Stunden per Video ausfzuzeichnen für eine Weile? Manche haben ja so ein Equipment, bzw. vielleicht lässt sich eine Kamera leihen und in einer Ecke positionieren. Kann auch hemmen oder stören oder ängstigen, wenn man sich selbst später sieht, aber es wäre zumindest eine Option für Dich, eine Antwort auf Deine Fragen zu bekommen…

    Lieben Gruß

  2. Nein das wäre keine Option.
    Einmal schon wegen sonstiger Kameraassoziationen (das wäre dann so 2/3 Dauerrealitätscheck und 1/3 Ratiofeuer hoch zehn) und zum anderen wegen des (ja vielleicht irgendwie albernen aber ja trotzdem anwesenden) Peinlichkeitsfaktors beim Angucken.
    Ich gucke ja mich in diesem Wargh-Körper an und nicht mich irgendwie so „richtig“.

    *ühm- irgendwie verständlich?

  3. Vielleicht braucht es gar nicht mehr immer einen Schalter für einen anderen Funktionsmodus? Vielleicht können Innere auch einfach so entscheiden das sie „draußen“ sein wollen in der Therapie, um etwas zu besprechen.
    Vielleicht ein Schritt Richtung Wechsel auf freiwilliger Basis und nicht nur Reaktion auf einen Trigger?

    Wir lassen einen lieben Gruß da
    anja und die sterne

  4. Ja, absolut. Beides. Den Peinlichkeitsfaktor hatte ich halb im Kopf, den Rest nicht. Sehr nachvollziehbar jedenfalls….

  5. „freiwilliger Wechsel“?
    Das hatte die Therapeutin auch gesagt.So nach dem Motto: „Ich hatte den Eindruck es wollte halt einfach da sein“ und ich so: O.O
    So kenne ich das nicht. Sie tauchen ja nicht mal hier „einfach so“ auf, sondern immer wenn es so intrusives Erleben gibt oder Verletzungen am Körper sind und ihre Anpassung daran „gebraucht“ wird.
    Ich weiß nicht, das kommt mir irgendwie komisch vor.

    Kennt ihr das denn von euch? Also so, dass ein Kinderinnen so denkt:“Och ja tüdelü ist ja ganz nett hier … komm ich mal nach vorne…“

  6. Naja, bei uns ist es ja eh anders, weil ich so kaum Kontakt habe nach Innen, aber ich kenne es das sie mit vorne sind und grad wenn es eben was lustiges oder spannendes gibt im Außen.

    Aber wir kennen ja auch privat andere Viele-Menschen und da ist es so. Darum kommt dann ja auch oft die Phase, wo daran gearbeitet werden muss Absprachen zu treffen, wann wer Raus kann um zu machen was er/sie möchte. Anscheinend haben da welche doch schon einen anflug von Vertrauen zu eurer Therapeutin. Das geht vielleicht auch bei den Jüngeren schneller.

    Wenn bei mir jemand mehr vorne ist und es der Betreuung oder der Freundin auffällt, dann ist mir das meist total peinlich. Aber steuern kann ich es nicht…. ich versuche dann zu vertrauen, das es ok ist und Sinn macht, dazu gehört und sowas wie Fortschritt ist. Ich wünschte einfach oft, das sie mit mir in Kontakt gehen würden, reden, kennenlernen… aber so ist es eben noch nicht hier.

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