Die Helfer_Innen und die Hilfe, Lauf der Dinge

erwachsenes Waisenkind

Es gibt diese Verlassenheit unter Jugendlichen in Jugendhilfeeinrichtungen. Vielleicht ist es das Waisenkindsein, das einem niemand mehr zugesteht in dem Alter.

Ich weiß noch, dass ich damals dachte, meine Eltern wollten mich nicht mehr haben. Ich wusste nicht, was uns letztlich ins erste Heim brachte.
Ja ich nenne es Heim. Ich finde viele der Einrichtungen für Jugendliche, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, wollten Heim genannt werden. Und sie selbst, sollten sich als Waisen betrachten dürfen.

Warum auch immer, dachte ich, ich wäre einfach rahmenlos. Weder hier, noch dort hingehörend. Der Gedanke: “Keiner hat mich lieb, keiner will mich haben”, mündete für mich in einem bizarren Selbstverkauf.
Hier schau was ich kann- schau was ich mache- schau wie wichtig ich für dich sein kann- schau was ich leisten kann- bedien dich- nimm mich… Will mich doch bitte haben.

Vor ein paar Jahren dachte ich, es wäre vieles anders gekommen, wenn wir statt in eine473755_web_R_by_Günter Havlena_pixelio.de Einrichtung, in einer Pflegefamilie untergekommen wären.
Nun denke ich, dass wir vielleicht einfach auf einer Art Warteliste gestanden haben.

Und jetzt ein erwachsenes Waisenkind sind.
Meine Eltern leben noch. Sie werden noch sehr lange leben. Aber sie sind auch nicht mehr da.
Sie wollen mich nicht mehr. Weil ich kaputt bin.

Weil ich vielleicht zu heil werde.

Weil ich vielleicht die Warteliste geschafft habe und jetzt Eltern im Geist habe, die ein bisschen auf mich aufpassen und mir helfen. Menschen, die mich nicht geboren haben, die aber bei der Geburt von mir- uns in diesem neuen Leben dabei sind. Mich durch die Wehen meiner Selbstgeburt begleiten, mich schützen, nähren, tragen, halten…

Einfach so.
Auch ohne Blutsbande und Hilfeplan.

4 thoughts on “erwachsenes Waisenkind”

  1. Wie ihr 1 Schmerz in all dieser Kürze beschreiben könnt o.O Danke dafür.
    Ich bin auch im Heim aufgewachsen, in mehreren Einrichtungen über ganz Deutschland herumgereicht worden und ich wäre jung genug gewesen dass für mich Pflegeeltern hätten gefunden werden können. Niemand hat sich die Mühe gemacht. Weshalb ich n ganz zerrissenes Wanderkind geworden bin. Wo ich die Familie besuchte wurde ich zur höflichen Besuchstochter die nie was einforderte. Und immer wieder meine verständnislose Frage: Warum konnte ich nicht wo bleiben? – –
    Ob meine gewählte Familie funktioniert für mich auf Dauer, wird sich noch erweisen müssen.

  2. Es gibt Zeiten in denen ich keinen meiner neuen Eltern aushalte. Aber sie gehen nicht weg deshalb.
    Irgendwie ist es das, was es ausmacht und funktionieren lässt. Zumindest hier und jetzt. Ich muss nicht dafür sorgen dass mich jemand will.

    Diese verrückten Spinner wollten mich von sich aus :mrgreen:

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