Die Helfer_Innen und die Hilfe, Lauf der Dinge

von der Psychiatrie und der unbezahlbaren Hilfe

Ein Artikel über die Psychiatrie.
Als Aperitif gibts ein Horrorfoto.
Thema: Legalisierung von Zwangsbehandlung im Hauptgang.
Definitions-Allmacht von (überarbeiteten, im Verhältnis zur Arbeitszeit unterbezahlten, eher einseitig fortgebildeten) Ärzten zum nur hauchzarten (kaum erwähnenswerten) Dessert.

In meinem Kopf rattert sie Uhr tornadoardoartig rückwärts.
2001- 14 Jahre alt.
Gerettet aus einem Gefängnis- entkommen aus einer versteckt gespaltenen Welt
Erneut eingesperrt in ein Gefängnis und in eine ganz offen gespaltene Welt.

Weil es keine Alternative gibt.
Weil mir dort geholfen werden kann, wie sonst nirgends.
Weil ich dort verstanden werde.
Weil es mir dort besser geht.

Niemals war auch nur ein Mensch so ehrlich zu uns zu sagen, dass sie schlicht hilflos waren. Weil es keine andere Möglichkeit des Schutzes gibt. Dass wir diese Internierung aushalten mussten, weil die Menschen uns nicht aushalten konnten oder wollten. Weil sie unsere Geschichte nicht aushalten konnten oder wollten. Weil sie die Folgen davon nicht aushalten konnten oder wollten.

Sie haben es sich leicht gemacht und mich abgeschoben- weggesperrt- verwahrt- ausforschen- verbiegen bis zum Brechen lassen.

Sie haben nicht gesehen, dass sie ab dem Zeitpunkt unserer Aufnahme dort, nun unsere Eltern ersetzten. Und wie deutlich sie das taten… Himmel ja WIE verdammt noch mal deutlich sie genau das Gleiche getan haben, wie unsere Familie. Nur haben sie es nicht “Pseudoreligion” genannt, sondern “Hilfe”.

Es war ein Tausch nichts weiter. Hellgraue gegen Arztseifenweiße Folter

Was sie gesehen haben war eine 14 Jährige, die sich immer wieder selbst verletzte. Eine 15 Jährige die den vierten, fünften, sechsten, siebten, achten…. fünfzehnten Suizidversuch gerade eben so mal noch überlebt hat. Eine 16 Jährige, die plötzlich aus heiterem Himmel anfängt zu schreien, niemanden zu erkennen scheint und auf Mitarbeiter losgeht. Eine 17 Jährige, die so abgeklärt über psychische Krankheiten spricht, als wäre sie selbst die Ärztin.

Was wir waren war eine lichtentwöhnte 14 Jährige, die den Boden küsste über den sie laufen durfte- komplett verwirrt über das was mit ihr passierte- ausgeliefert unmündig und hilflos.
Eine 15 Jährige, die sich von ihrem ambulanten Therapeuten hat missbrauchen lassen, weil sie unter anderem befürchten musste, wieder eingesperrt zu werden. Wieder ausgeliefert, unmündig und hilflos. (Und zu dem Zeitpunkt schon völlig allein auf sich gestellt).
Eine 16 Jährige, die anfängt sich an die erlittene Gewalt zu erinnern und gerade mal so das Glück hat, in einer psychosomatischen Klinik zu sein- statt in einer Psychiatrie, wo es alles noch viel schlimmer hätte sein können.
Eine 17 Jährige, die in 3 Jahren durch 7 Kliniken und 5 Jugendverwahrungseinrichtungen hindurch geflippert wurde und deren einziger Hoffnungsfunke auf Heilung und Leben ohne Gewalt, eine dreizeilige Email in ihrer Hosentasche ist; geschrieben von einem Menschen, mit dem sie vielleicht 2 Stunden Zeit verbracht hat und nicht einmal wirklich kennt.

Wir waren die ganze Zeit allein und hatten keine Menschenseele, die sich darum geschert hat, was mit uns dort passiert. Die, die Entwürdigung der Massenabfertigung und den Raub der Selbstbestimmung für uns beklagt hat. Da war niemand, dem wir unsere Gewalterfahrungen mit Pflegern hätten sagen können, ausser den Patientenvertretern zu denen wir aber keinen Kontakt aufnehmen konnten, ohne die Hilfe des Personals. Zusammen mit einer Diagnose die gleichbedeutend mit Unzurechnungsfähigkeit und  Realitätsverlust ist, hatten wir schlicht keine Chance.

Es war wie in der Hölle, die gerade vorher verlassen hatten.

Was wir durchgemacht haben ist unglaublich. Es ist unglaublich schlimm, unglaublich viel, unglaublich viel Nichthilfe. Und was wir in Bezug darauf heute wahrnehmen, ist unglaublich viel Ungläubigkeit.
Nein, uns wurde nicht das Gehirn unter Strom gesetzt. Nein, unser Frontallappen wurde nicht therapeutisch wertvoll verletzt. Unser Gehirn wurde uns ausgedörrt in den vielen hundert Stunden zwischen den “Behandlungen”, in denen man völlig auf sich geworfen ist- äußerlich strengstens reglementiert, während der Same des Wahnsinns unter dem tumben Starren auf Klinikflure, Klinikessen, Kliniktüren, Klinikroutine, Klinikklinikkliniklinikatmosphäre überhaupt erst zu wachsen in der Lage ist.

Wir wissen (zum Glück) nicht, wie es für Erwachsene ist, so in Not und ohne ausreichendes soziales Netz zu sein, dass man sich in eine Klinik begeben muss, um Schutz vor sich selbst (oder anderen Menschen) zu erfahren. Und freiwillig werden wir das auch nicht erfahren.

Die Psychiatrie war für uns das Trauma nach dem Trauma.
Die ersten 2 Therapiejahre nach der letzten Entlassung brauchten wir dafür auf, überhaupt auch nur wieder irgendeinen Helfer (nicht nur Menschen überhaupt)  näher als eine Diagnostik an uns heranzulassen. Ein öffentliches Feindbild wie zum Kindesmisshandler gibt es für Helfer nicht. Eine Hetzpropaganda, wie aktuell gegen die Institution Kirche, gibt es nicht für die Institution Psychiatrie. Vor der breiten Öffentlichkeit steht man vor solchen Erlebnissen ganz genauso verlassen und ohnmächtig, wie vor der gezielten sexuellen Ausbeutung von kleinen Kindern mitten in Deutschland. Jeder kriegt einen Schauer der den Rücken herunter rieselt, jeder hat seine Gedanken dazu. Doch wenn es darum geht eine Hand zu reichen, wird sich weggedreht und unsichtbar gemacht. Und in beiden Fällen muss man sich mehr oder weniger krassen Eigenschuld- (im Sinne einer Eigenverantwortungs-) zuweisungen aussetzen.

Vor ein paar Wochen noch, bekam unsere Therapeutin die volle Breitseite dessen ab, was hier los geht, wenn uns jemand mit der Einweisung bedroht. Und für uns beginnt die Bedrohung schon mit der überhaupt-igen Nennung der Psychiatrie als Option für Hilfe.

Keiner- absolut kein Mensch auf dieser Welt würde das, was real in einer Psychiatrie vor sich geht, als hilfreich bezeichnen, wenn man das Ganze schlicht losgelöst vom Status der „Retter der Gemütskranken“ heraushebt:
Eine Woche hat 168 Stunden
minus jeweils 8 Stunden Schlaf, ergibt das 112 Stunden Wachsein.
Davon werden ca. 8 Stunden therapeutisch gestaltet (je nach Klinik- ich nehme einfach mal den Standard aus meinen Zeiten in der Ballerburg).
Das ergibt unterm Strich: 104 Stunden geistig- seelische Nulllinie, die man mit Kettenrauchen, Gedankenkarussell, Patientengesprächen, Illustrierte lesen, nicht-an-seine-Probleme-denken-aber-doch-dazu-zwingen-weil-man-ja-dafür-da-ist und mit dem intensivem Beobachten aller emotionalen und sozialen Vorgänge auf der Station wiederzubeleben versucht.
Würde man diesen Behandlungsstandard auf ein akutes Herzversagen oder auch eine chronische Lungenentzündung übertragen hieße das unter Umständen: “Wie jetzt hier- sie kriegen so wenig Luft- sie kriegen doch schon 8 Stunden am Tag die Maschine an den Hals!”; “Ich hab schon 8 Sekunden mit der Lebensrettung verbracht- was will der denn noch?!”

Man führt ein Leben wie Schrödingers Katze:  eingesperrt in einer Box und ob man noch lebt oder nicht ist Definitionssache. Und die Macht über diese Definition, könnte mit dem Gesetz nun auch noch in jedem Fall- egal wie diese ausfällt (ob zutreffend oder nicht) rein bei den Ärzten bleiben. Komplett unhinterfragt oder in der Lage die Box zwecks Überprüfung zu öffnen.

Es ist ein Witz. Es ist infam. Es ist eine gesellschaftliche Schande, dass wir solche großen, relativ sicher finanzierten Kästen wie die Psychiatrie, überhaupt noch haben und sogar brauchen.
Es ist die medizinisch-kapitalistisch-sozialdarwinistische Vermeidungsblase, die uns davor bewahrt den Wahnsinn, Kontrollverluste und schiere menschliche Natur zu nah uns heranzulassen. Realitätsverlust als “kann mal vorkommend” zu betrachten. Menschliches Elend von uns fern zuhalten. Uns nicht zu belasten. Uns nichts ans Bein zu binden. Um uns vor gesellschaftlicher Verantwortung zu drücken.
Uns selbst nicht zu fragen, wie wir verhindern können, dass es anderen Menschen schlecht geht.

Uns daran zu hindern jedem unserer Freunde zu sagen, dass sie auch mitten in der Nacht bei uns klingeln dürfen, um von uns vor sich geschützt zu werden-von mir aus auch eingeschlossen zu werden und die nötigen Mittel aufgedrängt zu bekommen und die Hand durch die Neben- und Nachwirkungen zu halten.

Wir sind dankbar dafür, dass wir uns in der Hinsicht auf unsere Gemögten verlassen können. Niemand von ihnen würde uns abweisen, stünden wir mit diesem Anliegen vor ihrer Tür.

Als wir (noch vor 6 Jahren) nicht in der Lage waren zu essen wie Menschen, gab uns unser mit uns verbündeter Mensch den Rahmen der nötig war- ohne uns zu verachten. Als wir nicht wussten, ob und wenn ja wer, von uns Kontakt zu Tätern aufnehmen könnte/versuchen würde, sich das Leben zu nehmen/versuchen würde, ihn zu verletzen… Als wir so depressiv waren, dass sogar das Heben der Augenlider eine einzige Qual war… Als schon ein unsichtbares Geräusch Innenkinder hochspülte die noch mitten im Traumaerleben sind… Als wir so richtig tief in der psychischen Scheiße standen- alle Weichen auf Psychiatrie standen, brauchte es doch nur jemanden, der schlicht da war und den Schlüssel zur Wohnung versteckte. Taschentücher, Kotzeimer, Schlaftabletten, ein starkes Rückgrat und ein liebevoll fürsorgliches Herz hat.

Leider ist das etwas, das die Krankenkasse nicht leisten kann und der Staat, oder diejenigen die es leisten könnten, nicht leisten wollen.

Denn die wahre Hilfe kommt von Menschen, deren freies starkes Dasein einfach unbezahlbar ist.

Interessantes und Nützliches zum Thema
– die schlaue Patientenverfügung gibt hier zum Download
– Steinmädchen schreibt auf ihrem Blog über “Psychiatrisch- Patriarchale Kontrolle” und unterstreicht die Notwendigkeit von geschlechtsspezifischen Therapiemöglichkeiten
– viele Bücher, Sachwissen und Zugang zu Alternativen bietet der Antipsychiatrieverlag von Peter Lehmann
– die internationale Arbeitsgemeinschaft “Soteria” stellt sich und seine Ziele hier vor
– das Berliner “Weglaufhaus” sollte jedem sofort in den Kopf kommen, wenn es um Alternativen zur Psychiatrie geht- es braucht so viele NachahmerInnen, sowie offene UnterstützerInnen wie nur möglich
– zum Thema Psychopharmaka und Psychiatrie mein Artikel „auf wundersame Weise“
– als weitere hilfreiche Anlaufstelle bietet sich auch der sog. „Trialog“ (Patient, Klinik, Mittler) der Stadt an- Kontakt hierzu bekommt man über den sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt in der man wohnt
– zu: „einem erweiterten Verständnis psychischer Störungen, neuem Wissen über genesungsfördernde Faktoren in der Psychiatrie, der Entwicklung neuer Methoden und umfassender Inhalte in der Fachkräfteausbildung und innovativen Angeboten psychiatrischer Dienste“ informaiert und aktiviert „Ex-In„. Ein vielversprechendes und umfangreiches Pilotprojekt. Weitere Informationen zur Genesungsbegleitung durch „Ex-In“ gibt es auch auf dieser Website.
– grundsätzlich muss das Motto derzeit leider noch immer sein: „Niemals allein Kontakt mit der Institution „Psychiatrie“ haben- hab immer jemanden mit im Boot, der dich im Zweifel da raus streitet und für dich eintritt“

 

Vielleicht an alle die aus Angst vor Täterkontakten regelmäßig in de Psychiatrie gehen (müssen):
Immer wenn ihr raus seid- greift zum Weberschiffchen und vernetzt euch. Es ist schwer und gruselig- vielleicht sogar noch verboten. Aber wenn ihr etwas anderes erreichen wollt, als das was ihr jetzt gerade durchmachen müsst, dann müsst ihr auch etwas anderes tun als jetzt.

So gemein es klingt, hatte Einstein schon Recht als er sagte:
“Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun, aber immer ein anderes Ergebnis zu erwarten.”

Immer wenn ihr eine Fingerspitze aus der Scheiße herausstrecken könnt- versucht nach echten Helfern zu greifen. Es lohnt sich, denn es geht um euer Leben und eure persönliche Freiheit.
Ihr dürft das.

19 thoughts on “von der Psychiatrie und der unbezahlbaren Hilfe”

  1. wenn es keine Alternative gibt…ist Schutzhaft trotzdem noch HAFT…

    für den Freiwilligen kann es eine Hilfe sein. für den Gezwungenen ist es Folter.
    und wer 24/7 Hilfe benötigt, dem kann ein standarisiertes Verfahren einfach nicht gut tun.
    „seien sie bitte nur in den dafür vorgesehehn Zeiten zwischen 8:00 und 16:00 Uhr krank und respektrieren sie die Nachtruhe….“ -.-

    meiner Meinung nach kann die Psychiatrie dem Geist sicher auf die Sprünge helfen. In den Punkten, wo sie ihm noch was beibringen kann. (Struktur usw). Was aber viel größer und mächtiger ist, als der Geist, ist die Seele und der kann man nur durch echte Sympathie und Empathie helfen, durch Akzeptanz und Fürsorge….das sind alles Dinge, die der schlaueste Dr.Dr. nicht lernen kann. Das hat man oder man hat es nicht. Hmm war das jetzt verständlich? Allem rationalen kann man rational Helfen (Dr./ Medis) allem irrationalen (sorry, so sind Gefühle halt :-P) kann nur auf menschlicher Ebene (BBF) geholfen werden.

    ich kann mir nicht vorstellen, wie schlimm es für euch gewesen sein muss, die Hoffnung gleich wieder im Keim erstickt zu sehen. von Fachidioten nicht verstanden und von Fachkriminellen ausgebeutet zu werden. es macht mich wütend und hilflos.
    danke, dass ihr nicht nur betont, was an der Klinik schlecht war, sondern auch, WIE man euch dann helfen konnte. das vergessen leider viele.

  2. Wie ihr das immer in Worte gekleidet bekommt… Danke auch von uns!!!
    Unsere Erfahrungen sind anders, fingen später an. Dennoch – auch hier gibt es die Option Psychiatrie nicht mehr – auch nicht Psychosomatik. Krisen werden alleine und oder mit ambulanter Hilfe bewältigt, was manchmal sehr lebensbedrohlich war. Waren in vielen Kliniken. Keine würden wir ein 2. mal aufsuchen. Zuletzt auf einer Traumastation waren wir 4 mal, weil es da „unsere“ Kliniktherapeutin gab, aber seit sie weg ist, ist auch das keine Option mehr.

    Was ihr durchgemacht habt ist wirklich erschütternd… wie froh sind wir, dass ihr eure gemögten habt!

    Viele liebe Grüße senden wir Euch
    anja und sterne

  3. Was mache ich aber mit einem Menschen, der jede „ambulante“ Hilfe verweigert, dem ich aber als „Gemögte“ trotzdem nicht mehr helfen kann?

  4. Hallo du Eine,
    das ist eine schwere Situation, denke ich.
    Ich sag mal was ich in so einer Situation mache, ja? (ist sicher nicht der Topf am Ende des Regenbogens!)
    Ich gehe einen Schritt zurück und sage das auch so ganz deutlich: „Hör zu- ich bin da und ich bleib da- aber ich kann dich nicht retten- nur dabei bleiben.
    Wenn du Hilfe brauchst einen Profi zufinden-. helfe ich dir
    Wenn du Hilfe beim (Selbst)Schutz brauchst brauchst, helfe ich dir auch
    aber alles andere musst du selber machen. Du kannst mich mit deinen Ängsten darüber vollschwallen, mit mir drüber meckern und jammern, wir können Bullshit-Bingo spielen wenn es um Erstgespräche bei Therapeuten und Helfern geht- aber nur so lange du dir Hilfe suchst.“

    Ich denke so auf der Ebene ausgehalten (wie auch geschildert hier in dem Artikel) zu werden hilft vielen- aber es ist nur für akute Spitzen (und nur wenn man selber stark genug (stabil genug) ist) gut auf lange Sicht.
    Kein Mensch hat etwas davon, wenn die Gemögten und Helfer ausbrennen- unter der ganzen Nähe und dem Leiden schier verbrennen.
    Es macht die Beziehung kaputt (siehe Artikel zum Thema Täterkontakte) und letztlich auch etwas in den Menschen.

    Vielleicht suchst du dir selbst auch Hilfe (es gibt bei den sozialpsychiatrischen Diensten und auch im Internet Anlaufstellen für Menschen die Angehörige von Menschen psychischen Erkrankungen sind) wenn du Schwierigkeiten damit hast diesen Schritt zurück zumachen. Da gehts einfach um deine Grenzen und deinen Selbstschutz.
    Niemand ist böse oder schlecht oder unmenschlich oder schwach oder oder oder wenn er dafür sorgt, dass es ihm gut geht und eben nicht 24/ 7 für jemand anderen da sein kann oder will – schon gar nicht wenn man demjenigen eigentlich beim Sterben durch Selbstzerstörung zuschaut,
    Sogar die Profis müssen das immer wieder üben und sich wiederholt einprägen.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und hoffe, dass das jetzt hier nicht total an dem vorbei ging, was du eigentlich hören musstest ( bzw zu hören gebraucht hast)

    Ganz viele Grüße

    P.S. Mir ist gerade noch eingefallen- als vielleicht hilfreichen Satz den du dir mal anhören und nachfühlen kannst: Bin ich velleicht gerade die ambulante Hilfe für den Menschen?
    Vielleicht ist es ja gerade diese Nähe die ihr jetzt habt, die es schwer macht sich jemand anderem zuzuwenden.

  5. Erschreckend, was da abgeht. Zwangsmaßnahmen – allein der Zusatz “Zwang“ spricht für sich… O.o und wieder einmal ebenso erschreckend, wieviel in dieser Gesellschaft unter dem Deckmäntelchen vertuscht wird…

  6. Danke. Danke, dass du das geschrieben hast.
    Ich habe gestern nachdem ich das auf Twitter gelesen habe, einen Eintrag über meine eigenen Psychiatrie-Erfahrungen geschrieben, den ich dann doch nicht online gestellt habe, aus Angst. Du hast den Mut zu schreiben, den ich nicht habe (ist bei mir natürlich auch alles anders als bei dir und vielleicht weniger „schlimm“ – mag aber eigentlich keine „Schlimm“-Hierarchien).
    Einfach danke! Es ist so wichtig, dass sehr laut wird, wie schlimm, wie bedrohlich, wie furchtbar diese Entmündigung ist, welches offene Tor in Richtung Gewalt, Missbrauch, Vergewaltigung.
    Und es ist gut zu wissen, dass es – trotzdem – Menschen gibt, die Alternativen suchen, die unter Hilfe Hilfe verstehen.

  7. Veröffentliche ihn!
    Ernsthaft!
    Vielleicht erstmal privat oder nur für dich… die meisten der so nahen Artikel von uns stehen erstmal wochenlang als Entwurf hier herum- bis die Angst abgenudelt ist.

    Du kannst ihn immernoch wieder rausnehmen, wenn Reaktionen kommen, denen du dich nicht gewappnet fühlst.

    ((ravna)) es gibt nur schlimm und schlimm
    alles was sich so anfühlt ist auch so für dich- egal was andere dazu sagen

    Alles Liebe und ganz viel Kraft für dich bei der Entscheidung

  8. Ja, ich hab einen Teil rausgenommen und den Rest veröffentlicht.

    Jetzt muss ich erstmal offline gehen und versuchen ruhig zu werden für heute abend. Aber danke danke für die Mutzusprache!!

    Mit schlimm und schlimm hast du recht. Genau deswegen mag ich ja eine Hierarchisierung schon nicht. Es spricht den Betroffenen die Definitionshoheit ab zu sagen, was schlimm ist und bringt eine Fremdbewertung rein. Hat lange gedauert, das anzunehmen.

    Alles Liebe.

  9. Danke, dass ihr diesen Text mit uns teilt. Es ist unglaublich, was euch widerfahren ist.
    Ich kenne das Gefühl, dass mir Psychiatrie als einzige Option vorkommt. Das finde ich schrecklich. Manchmal weil ich Angst habe, meine Herzensmenschen zu überfordern, zu viel zu verlangen. Manchmal einfach um des „ich will sofort weg“ willens. Ich setze das nicht um. Ich kenne (zum Glück in „milderer“ Form) die Konsequenzen.
    Aber ihr habt Recht. Es braucht mehr Alternativen. Und ich suche und kämpfe dafür und werde das weiter tun. Damit es Räume für uns alle gibt, in denen Wunden der Gewalt heilen können.

  10. Wir denken auch immer, dass wir zu viel werden für unsere Gemögten.
    Aber unsere geliebte Gemögte sagt, es wäre schlimmer für sie, wenn wir gingen und ihr keine Möglichkeit zum Helfen gegeben hätten…
    Das machte es leichter.

  11. Als wir diesen euren Artikel gerade gelesen haben und feststellten, dass es schon so viele Kommentare gibt, waren wir froh. Froh, weil es offensichtlich einige gelesen haben und sich auch Gedanken dazu gemacht haben.

    Was gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gepfuscht wird (was ein viel zu harmloses Wort ist) und wie viel Sadismus man da begegnet, geht auf keine Kuhhaut. So medizinisch fortschrittlich wir uns hier auch halten, dort findet heute noch Methoden aus dem vorletzten Jahrhundert.

    Die narzisstischsten Ärzte findet man entweder in der Schönheitschirurgie oder in der KJP, in der Chirurgie stört dieser Charakterzug nicht, in der KJP werden damit Leben zerstört.

  12. Vielen Dank für die Antwort. Die Sache ist schon eine Weile her und ich konnte damals diesen Schritt zurück machen und schließlich sehr schnell und sehr konsequent handeln, weil das Wohl meiner Kinder gefährdet war. Wären sie nicht gewesen, weiß ich nicht, wo die Sache geendet hätte.
    Aber obwohl ich damals wusste und immer noch weiß (dank euch auch wieder!), dass dieser Schritt richtig war, ist es immer wieder sehr schmerzhaft seine Grenzen erkennen zu müssen und ich überlege trotzdem ständig, ob ich nicht hätte anders handeln können und müssen.

    Für den betroffenen Menschen endete es damals letztendlich in der Psychatrie, vor der ich ihn – obwohl ich diesbezüglich völlig erfahrungslos bin – eigentlich nur aufgrund einer eben verdammt dunklen Ahnung bewahren wollte. Das einzig Positive, was er daraus ziehen konnte, war das Wissen NIE WIEDER dort landen zu wollen und sich entsprechend vorher ambulante Hilfe zu holen.

    Und ja, euer Zitat stimmt leider: „So gemein es klingt, hatte Einstein schon Recht als er sagte: “Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun, aber immer ein anderes Ergebnis zu erwarten.”

    Viele liebe Grüße!

  13. Vielen Dank für diesen unglaublich offenen Artikel über die Psychiatrie. Er ermutigt mich meine eigenen Psychiatrieerfahrungen zu veröffentlichen, diese sind allerdings schon über zwanzig Jahre alt. Ich habe damals beschlossen nie mehr irgendwelche Psychopharmaka zu nehmen und habe das bis zum heutigen Tag eingehalten, obwohl mir alle Ärzte nach meiner Psychose gesagt haben, das sei nicht möglich.
    Viele Grüße von Franny

  14. Hallo Franny
    ich hab dir grad schon auf Twitter einen Link geschickt zum Thema und schnorchle durch dein Blog 🙂

    Mach öffentlich was öffentlich gehört!
    Die Psychiatrie ist ein alte stockgüldene Kuh, die sich aufs Messer freut 😉

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