Die Helfer_Innen und die Hilfe, Lauf der Dinge

Vergebung*

“Es könnte dir vielleicht helfen wenn du Vergebung zulässt. Sowas kann therapeutisch wertvoll sein, um aus der Opferrolle zu kommen…”

Meine Augen verengten sich, die Haut über meiner Stirn begann zu klüften… Der Vortrag über die richtige Verwendung des Begriffs der Opferrolle begann…
Übrig blieb dann aber doch das Echo der Vergebung.

Was mein Ich zu so vielen Du´s entwickelt hat, war weder eine wiederkehrende Naturgewalt, noch Kriegswirren oder eine andere Art vom Menschen zu abstrahierende Wendung des Schicksals. Hinter jedem Trauma das wir überlebten, standen mir mehr oder weniger nahe Menschen, die mir etwas zufügten- mir etwas gaben, was ich vergeben könnte. Oder auch vergeben lassen könnte?

Ich habe überlegt was wäre, wenn einer der Menschen die an uns zum Täter geworden waren, auf uns zukäme und ein Vergeben einforderte oder mir die Chance eines Vergebungserhaltes von dem Menschen einräumen würde.
Also ganz vermutlich würden wir zu allererst weglaufen wollen, was ich schon als beachtenswert und als Erklärung für den Umstand, dass “Vergebung” hier noch nicht Thema war, einschätze.

Nein, wir wollen diese Menschen nicht wiedersehen. Nein, eigentlich wollen wir nicht einmal an sie denken oder ihnen auch nur noch einen Fetzen unseres inneren Kosmos zugestehen.
Das stimmt so eigentlich aber auch nicht.
Und ist auch gar nicht möglich.

Man sagt nicht ohne Grund: “mir wurde Gewalt angetan”, oder: “mir wurde eine Verletzung zugefügt”. Mit jedem Mal, dass uns etwas angetan wurde, wurde etwas vom Aggressor selbst oder dessen Handlung(skonsequenzen) in uns hineingepflanzt. Die BÄÄÄMs, täglich auftretende (Erinnerungs-)Schmerzen, quälende Ängste und immer wieder nötige Dissoziation zum Schutz vor Erinnerungen- unterm Strich: die gesamte DIS = die komplette (Nicht- Selbst-)Wahrnehmung, die es heute für uns als Gesamtperson gibt, ist das, was uns an-hin(ein)gegeben wurde, von den Menschen, die an uns Gewalt ausübten.

Würden wir anfangen zu vergeben, würden wir also uns ver-geben- uns weg-geben- uns wieder denen hin-geben, die sich uns dereinst einfach (von vorn, von hinten, von irgendwo runterhängend, von irgendwo gefesselt oder von jemanden festgehalten- ) nahmen.

Wir hätten das Recht ein Vergeben einzufordern. Doch was hieße das im Umkehrschluss?
Ich glaube, dass auch wenn man zum Täter wird, ebenso Teile des Opfers im Täter landen. Sadismus lebt davon, dass das Leiden des Opfers gespürt wird- in sich aufgenommen werden kann, genauso wie manche Spielart der menschlichen Sexualität genau darin ihren Reiz hat, das Ausgeliefertsein- die Erniedrigung des “passiven” Partners in sich aufnehmen zu können, um eine Befriedigung zu erfahren.
Wir würden nicht erhalten, was uns genommen wurde. Wir bekämen keine Würde und auch keine Integrität zurück. Wir würden ausschließlich das Leid, das sich im Täter zu Befriedigung antreibender Gefühle verwandelt hat, erhalten.

Würden wir Tätern vergeben würden wir- genau wie die Täter von uns- ein in ihnen verwandeltes Abbild vom uns erhalten. Und bei aller Überlegenheit, die sich eventuell auch einstellen würde, würden wir es nicht verkraften so eine Abgabe an uns- so ein erneutes Einpflanzen in uns- auszuhalten.

Beim Aufschreiben von Taten für den OEG-Antrag fällt mir auf, dass es eine Art Lieblingstäter-Typ gab. Das ist der Typ Mensch der aussieht wie alle anderen- der macht was alle anderen machen- der verlangt was alle anderen verlangen- der Typ Mensch den man auf der Straße nicht wiedererkennen würde- der Typ Mensch der uns gleichsam zum Wegwerfartikel gemacht hat, wie er von uns zu “einem von vielen” gemacht wurde.
Bei solchen Menschen wäre Vergebung möglich. Aber gleichzeitig auch sinnlos. Denn was dieser Typ gewaltausübender Mensch zufügte, fügten wir ihm auch zu: Objektivierung in Reinkultur. Was soll man mit der Ver-Gabe eines Objektes?

Die Wichtigkeit von Vergebung im therapeutischen Kontext kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber ich frage mich, für welchen Aspekt genau so ein Sich-Abgeben bzw. der Erhalt einer Selbst-Vergabe wichtig sein könnte.
Ich erinnere mich an eine Situation in der Schule in der jemand mich um Vergebung bitten sollte, weil er mich geschubst hatte. Er wollte es gar nicht und ich hatte einfach nur Schmerzen im aufgeschlagenen Knie. Es war der dritte Akteur (die Lehrerin) die den anderen Menschen dazu drängte mich um Vergebung zu bitten- und zwar damit: “dann alles wieder gut ist”- damit “Ruhe ist”- damit “man sich wieder verträgt”- damit “du lernst, dass man das nicht macht”…

Ich bezweifle den Lernerfolg von Zwangsvergebungen unter Kindern. Wenn man jemanden schubst, dann lernt  man: “Oh guck- der fängt an zu heulen und will nicht mehr mit mir spielen”. Und egal was dann folgt, ob sich das Kind um Vergebung bittet oder nicht, es lernt, dass man jemandem Schmerzen bereitet mit Schubsen und Hinfallen und, dass derjenige keinen Bock mehr auf einen hat- es sei denn man schafft, dass der Andere sein Mitgefühl für den erlittenen Schmerz spürt und sein aufrichtiges Bedauern darum. Zum Beispiel in dem man um Vergebung bittet und Gesten der Zuwendung und Ausgleichs tätigt. (Klar- Kinder müssen diese Gesten erst lernen- aber im günstigsten Fall bekommen sie solche Gesten vorgelebt von den Erwachsenen im Umfeld).

Worauf ich hinauswill ist, dass ich bei der “therapeutisch wertvollen Vergebung” einen dritten Akteur wittere. Entweder im Form des Therapeuten oder einen noch weiter Außenstehenden, der sich (aus ganz egoistischen Motiven heraus), für die betroffenen Parteien wünscht, “dass alles wieder gut wird” oder “dass man sich verträgt” (bei Erwachsenen wird seltsamerweise nie von einem Lernerfolg ausgegangen in Bezug darauf- trotzdem gibts (Verhaltens)Therapieen für Straftäter…Logik?!).

Der Aspekt des sich ver-tragens nach einer Vergebung ist auch nicht uninteressant. Ich habe schon mit einigen weiblichen Menschen (ja, das Geschlecht ist in diesem Kontext wichtig) gesprochen die von ihren Vätern sexuell misshandelt wurden und die davon sprachen, dass es ihnen nach einem “Aussprechen und einander Vergeben” besser ging. Sowas nehme ich selbstverständlich erstmal nicht wertend auf. Ich stecke nicht in ihrer Haut- zu Gefühlen anderer habe ich keine Meinung zu haben.
Doch etwas nachgebohrt ergab sich dann doch immer wieder, dass die Erleichterung weniger aus einer seelischen Erleichterung oder Gleichgewicht kam, sondern von zugestandenen Erbteilen, beendeten Familienfehden oder sogar von der Herausgabe schmerzlich vermisster Kindheitserinnerungsstücke in der Folge. So betrachte ich (für mich persönlich) diese “Vergebung” nicht als echt. So etwas ist eine verleugnete Selbst-Abgabe der Opfer gegenüber der Täter- erneut (und perfiderweise von sich selbst aus, was noch wohlwollend betätschelt wird, von anderen)! Auch, wenn es dabei nicht um körperliche Versehrung oder Zwang im üblichen Sinne ging.

Sich zu ver- tragen bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass man eine Last ausgleichend verteilt, um sie besser tragen zu können, sondern es bedeutet für das Opfer ein Ver- ERtragen, weil es etwas gewinnt, was ihm die Last des zu tragenden Unrechts evtl. erleichtert- letztlich aber doch noch mehr Ballast aufbürdet, den es zu tragen hat.

“Damit alles wieder gut wird”
Ist für mich der so ziemlich gemeinste Anspruch in Bezug auf ein Vergeben, den es geben kann. Für wen soll denn “wieder alles gut” werden? Was bedeutet: “gut”? Was genau meint: “alles”?309233_380546228700118_1453393758_n

Wenn man geistig stirbt, weil man durch die Körperlichkeit eines anderen Menschen bereits körperlich fast stirbt, dann gibt es kein “gut” oder “schlecht” mehr. Dann gibt es nur noch “Leben” oder “Tod” und das für den Rest der Existenz.
Ich kann mich an keinen einzigen Zeitpunkt in unserem Leben erinnern (und mich gibt es schon seit der Körper 5 ist) an dem es (das Leben, das Sein- die eigene Existenz) einfach nur “gut” war. Weder für uns-mich allein, noch für uns-mich vor anderen Menschen. Wir waren nie “gut” für andere- waren nie in Gänze einfach “gut”. Nie war in unserem Leben irgendetwas einfach gut- immer gab es soziale oder emotionale oder ökonomische oder moralische Fallstricke, die uns das Gefühl “gut” zu sein oder “gut für jemanden zu sein” wieder stahlen.
Wieso sollten wir eine Vergebung anstreben. damit “alles gut wird”?
Es ist das Streben nach einem Zustand dem alle Menschen nachjagen: bedingungslose Annahme seiner Selbst als schlicht “gut” und der Erfüllung aller Grundbedürfnisse zur gleichen Zeit.

Wir wissen, dass es das niemals kostenlos geben wird.  Unsere HelferInnen zum Beispiel, die uns annehmen und als “gut” sehen, werden alle in irgendeiner Form bezahlt (auch wenn sie nicht direkt für ihre Gefühle bezahlt werden- so ist es die Möglichkeit an diesen Gefühlen Anteil zu haben die bezahlt wird). Niemals wird uns auch nur ein Mensch auf der ganzen Welt ganz genau so bedingungslos annehmen, in einem Kontext der alle unsere Grundbedürfnisse befriedigt, wie es jene hätte tun müssen, die uns geboren hat. Ich glaube, dass der Ausspruch “damit alles gut wird” tatsächlich nur eines bedeutet: “damit du in einen Zustand kommst, in dem du keine Sorgen und keine Ängste haben musst” (“damit du dich so sicher und geborgen (“gut”) wie Bauch/ im Arm deiner Mutter fühlen kannst”).

Dieses Streben ist es was mich-uns so von vielen nicht- (von (sexualisierter) Gewalt in der Familie seit der frühen Kindheit)-betroffenen Menschen trennt. Viele laufen genau diesem Ideal nach, während wir froh sind, um jedes Grundbedürfnis, dass wir durch uns selbst wahrzunehmen und zu befriedigen in der Lage sind. Wir kennen “alles gut” nicht so, wie diese Menschen vielleicht. Wir haben gelernt, dass es überlebensnotwendig ist, immer alle Ängste und Sorgen wahrzunehmen. Sie abzulegen bedeutet für uns existenzielle Bedrohung- nicht entspanntes Schaukeln in der Hängematte.

Vielleicht macht mich dieser Satz auch ein bisschen wütend, weil er nach dem Satz “Vergeben und Vergessen- alles wieder gut” klingt. Oder auch, weil er oft von Menschen gesagt wird, die genervt sind, hilflos sind und damit nicht gut zurecht kommen. Ich fühle mich dann oft in der Position in der ich um Vergebung darum bitten möchte, keine Vergebung einzufordern bzw. zu geben. Wie das Kind, das um der Lehrerin zu entsprechen eine Vergebung vorschiebt, um nicht um Vergebung für die Verweigerung bitten zu müssen.

Ja, das Thema Vergebung ist ein Großes.

Jemand sagte mal zu mir, dass er an uns den Wunsch zur Überlegenheit gegenüber den Tätern vermisst und fragte, ob wir deshalb keinen außergerichtlichen Täter- Opferausgleich oder sogar eine offene Anzeige anstreben, um eine Vergebung zu erhalten. Er meinte, dass wir so weniger um unsere Würde kämpfen müssten und mehr von der Genugtuung hätten.

Ich sagte ihm, dass Objekte- Fallnummern nirgendwo Würde hätten und, dass wir vermutlich alles fühlen würden was nur irgend möglich sei, würden wir diesen Menschen wiederbegegnen- doch das Genugtuung mit “etwas genug zu tun” zu tun hätte.
Ich lächelte ihn damals schon an- so wie ich es heute wieder tat und sagte: “Es gibt nie ein “der Sache genüge getan”, wenn einem der Körper so zerstört und die Seele in Stücke gerissen wurde, dass das Leben und das Sein zur Definitionsfrage wird. Mir geht es nur darum eine Antwort auf diese Frage zu finden- nicht, darum mich “besser” im Sinne von “überlegenen” zu fühlen.”

*Ich verwende durchgehend den Begriff der Vergebung- nicht der “Entschuldigung” oder “Verzeihung”, weil es mir in diesem Artikel nicht um den Schuldaspekt von Straftaten geht, sondern um den Aspekt des Ausgleichs und der sozialen, sowie der seelischen Balance

5 thoughts on “Vergebung*”

  1. Ein rel. „langer“ Beitrag, den ich aber sehr aufmerksam und gerne gelesen habe (-das spricht für Deinen Mut, etwas von Dir zu erzählen und Deine Schreibweise!).

    Und ein Thema, was auch mich immer und immer wieder beschäftigt.

    Einige Sätze sind vielleicht besonders herausgeleuchtet (Zitat ):

    „Sich zu ver- tragen bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass man eine Last ausgleichend verteilt, um sie besser tragen zu können, sondern es bedeutet für das Opfer ein Ver- ERtragen, weil es etwas gewinnt, was ihm die Last des zu tragenden Unrechts evtl. erleichtert- letztlich aber doch noch mehr Ballast aufbürdet, den es zu tragen hat.“

    Und:

    „Niemals wird uns auch nur ein Mensch auf der ganzen Welt ganz genau so bedingungslos annehmen, in einem Kontext der alle unsere Grundbedürfnisse befriedigt, wie es jene hätte tun müssen, die uns geboren hat.“

    Ich weiss: Manche erklären „Vergebung“ so: Etwas zwar nicht gutheissen oder schönreden oder entschuldigen, aber „dem Täter trotzdem Gutes/Frieden gönnen/wünschen“. Und doch… sehe ich darin oft einen gewissen Selbstbetrug. Der hilflose Versuch, eine „Schein-Heile-Welt“ zu erschaffen, auch wenn das „nur in einem drin“ geschieht und man die damals involvierten Personen niemals wiedersieht. Und genau wie Du wittere ich dabei unsichtbare Mitspieler, die nicht hinschauen mögen, z.B. die Eltern derjenigen, die selbst Schmerzen verdrängen mussten.

    Und immer wieder gelange ich an den selben Punkt wie Du, den Du im zweiten Zitat zum Ausdruck bringst. Und natürlich: trotzdem immer wieder der Versuch, irgendwo das zu finden, was wohl jeder sich so sehr wünscht. Nun hinzugehen und alle Hoffnung „abzutöten“ kann es aber auch nicht sein. Das führt nur zu bodenloser Verzweiflung. Wir „müssen“ suchen, ringen, weitergehen – wie sonst könnten wir in dieser Welt leben? Immer wieder die kleinen Blumen der Freude suchen, auch wenn es nicht der ganz grosse Strauss ist, der für immer allen Hunger löscht.

    Ich habe mal vor langer Zeit ein Buch gelesen: „Das verbannte Wissen“ von Alice Miller (Ersterscheinung 1988). Ein Buch, wie es sonst keines gibt (zumindest damals) bzw. wo Dinge entlich offen ausgesprochen werden, die sonst über kurz oder lang immer wieder verleugnet werden. Ich weiss nicht, wie ich über alle Details darin denken würde, wenn ich es erneut lesen würde. Ich weiss nur: damals als ich es las, hat es „WUMM“ gemacht, und ich habe es als Initialzündung, Meilenstein und Augenöffner empfunden bzw. wurde darin entlich einmal dem Teil eine Stimme gegeben, an den früher oder später eben gerne das Thema „Verzeih doch, um heilen zu können und Frieden zu erlangen“, herangetragen wird.

    Auch heute noch erlebe ich es immer wieder, dass ausgerechnet von denjenigen, wo man erwarten dürfte, dass sie es besser wissen, oftmals genau dieses Verdecken wollen stattfindet. Manche würden mir jetzt erwidern, dass es nicht um verdecken oder schönreden geht. Aber trotzdem schmeckt dieser „Braten“ mir allzuoft genau danach. Zwar werden nicht die Taten verdeckt, doch immer wieder werden die dadurch ausgelösten, seelischen Schmerzen verdrängt, selbst wenn diese mit Worten offen bekannt werden, sei es bei sich selbst, sei es am Gegenüber. Aber nur davon reden und intellektuell etwas bestätigen ist noch lange nicht dasselbe, wie sie spüren und die Konsequenzen daraus ziehen und bedingungslos zu sich selbst stehen.
    Es geht mir nicht um Krieg, um Rache, es geht mir einfach nur darum, die Wahrheit, so wie ich sie empfinde, sagen zu dürfen, statt Heuchelei und Selbstmord zu leben (Und auch meine Meinung ändern zu dürfen, sollte sich diese im Laufe der Zeit ändern). Und das ist in einer Kultur und Gesellschaft, wo anderen stets der Vorzug gegeben werden soll, manchmal verdammt hart und beileibe keine Flucht. Wahrhaftigkeit ist das Schlüsselwort, sei es zum hassen, wüten, sei es zum Frieden wünschen, sei es zum fühlen und leben von irgendwas oder gar nichts.

  2. Zunächst: die Witwe hat nie etwas vergeben und sieht auch keinen Anlass zur Vergebung. Das muss aber wohl jeder für sich selbst entscheiden.

    Ein anderer Anteil hier übt sich in Vergebung, so dass die Witwe sich zwangsläufig auch mit diesem Thema auseinander setzen musste.
    Bei der Vergebung geht es wohl auch darum wie man sich selbst fühlt wenn man ehrlich vergeben konnte. Möglicherweise ist dait eine Art Loslassen verbunden, ein Abschluss. Nur wenn man Dinge abschließen kann, kann man sich neu orientieren – sonst wird man sie weiter mit sich herum schleppen.
    Wo Vergebung somit Last von den eigenen Schultern nimmt kann sie demnach angemessen sein. Man wächst damit auch ein Stück über die erlittenen Verletzungen hinaus.

    Die Witwe hat die Vergeltung immer der Vergebung vorgezogen, etwas was dieses System möglicherweise demnächst in eine Situation bringt in der wir einer Person die uns Gewalt angetan hat glechzeitig vergeben und Rache an ihr nehmen werden. In wie weit uns das beim Abschluss mit der Situation helfen wird bleibt abzuwarten.

    Zurück zum Thema: Vergebung sollte auch etwas sein was man für sich selbst tut, so man es denn verantworten kann.
    Es gibt Dinge die können – nach persönlicher Meinung der Witwe – nicht vergeben werden. Niemals.
    Damit bleibt die Frage wie man damit so weit abschließen kann dass eine Neuorientierung möglich wird.
    Sicher gibt es auch Dinge mit denen man niemals abschließen kann, egal wie sehr man es versucht. Das muss man so akzeptieren und dann weiter machen – obwohl diese Dinge geschehen sind.

  3. Da muss ich der Witwe zustimmen.
    Vergebung….damit sich der Täter sicher fühlt? Damit er sich einreden kann „ist ja nochmal alles gut gegangen?“
    Ich glaube nicht, dass Vergebung an ANDEREN einem selbst hilft. Die hilft nur anderen.
    Es erhebt einen meiner Meinung nach auch nicht über den Täter. Sind wir ehrlich: moralisch und menschlich stehen wir doch schon seit der Tat weit über ihm, egal wie scheißdreckig wir uns fühlen.
    „Vergeben….uns jetzt lass uns nicht mehr drüber reden. Was erwartetst du noch von mir, du hast mir vergeben“….nein. Nix gibts.

    Ich glaube, dass wir uns selbst vergeben müssen, wo der Kopf weiß, dass es nichts zu vergeben gibt. UNS. Für uns.

    Und WÜRDE müssen wir nun wirklich nicht vom Täter mittels Vergebung zurückerbetteln.
    Egal, was man uns antut, unsere Würde können wir uns nur selbst nehmen, wenn wir uns bewusst wegwerfen. Auch wenn es sich wieder anders anfühlt. DAS ist die Wahrheit. Und die Wahrheit ist gnädiger als die Wirklichkeit.

  4. kleiner Vorschlag zur Güte: an deiner Stelle, lieber M., würde ich mal die Füße ganz still halte, was die Rache an bestimmten Personen betrifft. Nicht, dass du dich noch in einem eigenen Netz verfängst 😉

    Entschuldigung, C., ich wollte obigen Dünnlall nicht kommentarlos stehenlassen.
    D.

  5. Da kommt es meiner Meinung nach zu einer Konfusion des Begriffs Vergebung. Vergebung bedeutet nicht eine Befreiung von negativen Konsequenzen, denn jedes Handeln hat welche. Ich kenn das auch: „Vergib mir, damit ich kein schlechtes Gewissen haben muss und weitermachen kann wie bisher.“ – Nein danke. Vergebung erfordert echte Reue und es bedeutet lediglich keinen Groll mehr in sich zu halten und zu füttern. Vergebung dient in erster Linie dem, der vergeben möchte, um einen Abschluss zu finden und weiterzugehen. Um Vergebung kann der bitten, der sich etwas hat zuschulden kommen lassen.
    Wir halten das für uns so: wir haben eine Bereitschaft zur Vergebung. Es gibt einige Menschen, denen möchten wir sehr gerne vergeben, nur setzt das auch eine Einsicht über deren Schuld, eine ehrliche Reue und vor allem Verantwortung für die eigenen Handlungen selbst übernehmen voraus, bei anderen Menschen ist dieser Wunsch nach Vergebung nicht da, da ist alles was wir sagen können, dass wir zumindest darüber nachdenken werden.

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