Lauf der Dinge

der fremde männliche Mensch

Habe ich gestern Mittag noch in einem Blog kommentiert, wie mutig und toll ich es finde, wenn ein (weiblicher) Mensch nicht nur lächelt, wenn er sich eigentlich unwohl und bedrängt von einem Fremden fühlt- aber selbst gedacht: “Hm, wäre ich auch so mutig?”, so hatte ich gestern Abend die Gelegenheit zur Selbstüberprüfung.

Zuerst mal möchte ich mir Note 2+ geben- ich war gut! Wenn auch nicht perfekt (aber das Thema hatten wir schon- deshalb das Plus)

Heute war ich verabredet und fuhr dann im Dunkeln allein nach Hause.
Obwohl ich selbst genau weiß, dass der Überfall vom “schwarzen Mann” im Park seltener ist, als der Überfall durch einen mir bekannten Menschen in einer Wohnung, lässt dieser Umstand den Adrenalinpegel (und das Dissoziationslevel) bei uns steigen (was oft genug zur Folge hat, dass ich “Kleinigkeiten” wie zum Beispiel einen auf dem Eis verstauchten Knöchel, erst Stunden später spüre oder allgemein noch mehr von meiner (Selbst)Wahrnehmung einbüße als sowieso schon abhanden kommt).
So auch gestern.
Schon in der Straßenbahnunterführung (dem Startpunkt) hat mich ein junger männlicher Mensch angesprochen, ob ich zufällig die Sprache spreche, die Erinnerungsprozesse in mir antriggert. Ganz freundlich, aber schon eindeutig zu nah an mir dran und offensichtlich mit einem Flirtbeginnswunsch. Mein Innenleben begann auf seine Art loszujaulen bzw. noch lauter als schon vorher in einen sirenenartigen Hintergrundseelenton zu verfallen, was mich nervös und unsicher machte- ganz unabhängig von dem Kontakt mit dem Menschen an sich.

Ich lächelte freundlich und sagte: “Nein, kann ich nicht. Schönen Abend noch.”
Er versuchte ganz offen Kontakt mit mir aufzunehmen- was ich mit einer wie ich finde sehr klaren Körpersprache ablehnte: Ich wendete mich ab und stöpselte meinen Kopf zu.
Bis dahin alles tutti- zwei Fishermänner, schöner Platz in der neuen Bahn und es pegelte sich gut wieder runter.
Noch schnell einkaufen.

Wer kommt mir im Laden entgegen? Der junge männliche Mensch von der Straßenbahnunterführung. Erstmal war ich schon verwirrt darüber, dass ich das überhaupt mitbekommen habe (Wieso bemerke ich immer erst in solchen Momenten meine Therapiefortschritte? Genau in dem Moment wäre es doch viel praktischer gewesen, wenn Frau Zarin ihm begegnet wäre- sie hätte ihn wie einen Untertan desinteressiert beguckt und gut… aber ja…Leben kein Wunschkonzert und Wunschdissos gibt’s nicht- also…). Dann aber war ich obendrein noch verwirrt, warum mich der Mensch überhaupt nochmal angesprochen hat. War ich nicht deutlich genug?
Ich wandte mich wieder ab, nachdem ich ihm ein Nicken des Wiedererkennens (aber schon kein Lächeln mehr) gegeben hatte.

Nach den üblichen Einkaufs-interputus-Überforderungsängsten und dem damit einhergehendem Wechsel (und einem weiteren Fishermann, um eine grundsätzliche Orientierung zu halten) gingen wir aus dem Laden.
Wo wer wartete und mich genau in der Dissoziationsnaht abfing? Der fremde männliche Mensch.

Er fing gleich an zu beteuern, er sei kein Arsch und ich bräuchte mich nicht bedrängt fühlen… Worauf ich sagte (und wer mich kennt weiß: hier ist der Platz für den Trommelwirbel mit anschließendem Tusch): “Ja, kann sein, dass ich mich nicht bedrängt fühlen MUSS- aber ich tue es! Sie sprechen mich immer wieder an, obwohl ich nicht mit Ihnen sprechen will und treten mir viel zu nah! Bitte lassen Sie mich in Ruhe!”

Das war wohl deutlich genug. Er ging. Ob er noch etwas gesagt hat, weiß ich nicht, weil ich mir gleich ganz schnell den Kopf wieder zugestöpselt hab, um wegen einer eventuellen Antwort nicht direkt ein noch schlechteres Gewissen zu haben.
Aber- ich habs geschafft!
Die Pflicht* hab ich gut geschafft.
Ein “sehr gut” hätte ich mir für die gelungene Kür  gegeben, wenn ich mich a) hinterher nicht schuldig im Sinne von „zur Entschuldigung geneigt” gefühlt hätte und b) das direkt bei der ersten Begegnung gesagt hätte.

Bei aller “sich selbst auf die Schulterklopferei”, treibt mich diese Episode aber nun doch um.
Da sind zwei Punkte.
Zum Einen: Wieso unterstellt mir der junge männliche Mensch, ich würde ihn für einen Arsch (oder Vergewaltiger?) halten, wenn ich doch eigentlich nur kein Interesse an (und ja, ehrlich gesagt einfach nur panische (alte) Angst vor) einem Gespräch mit einem mir völlig fremden Menschen habe?

Und zum Anderen: Wo kommt dieser Drang zur Entschuldigung meiner Verweigerung her?
Ich hatte am Donnerstag noch bei Fratzbuck ein Foto geteilt:

sorry

Offensichtlich geht es nicht nur mir so. Schön. Aber was der Feminismus nun in dem Punkt helfen soll oder könnte, mich eben nicht mehr zur Entschuldigung geneigt zu fühlen, verstehe ich dann aber doch nicht so ganz (soviel zur Überzeugung dessen was wir so bei Fratzbuck teilen…)
Ich könnte mir gut vorstellen, dass auch ein männlicher Mensch diesen Impuls in sich fühlt, wenn er von einem anderen (weiblichen) Menschen so angegangen wird. Ich hätte mich auch so gefühlt, wenn der männliche Mensch ein weiblicher Mensch gewesen wäre.

Es ist doch ein ganz basales Symptom unseres Miteinanders, dass wir uns jederzeit und immer wieder als offen und verfügbar darstellen (sollen oder sogar müssen). Selbstbestimmung wird irgendwie selten gern gesehen oder gar widerspruchlos anerkannt. Ich kann keine große Exklusivität des Körpergeschlechtes in Bezug zur Selbstbestimmung erkennen. Die Erscheinungsformen variieren ganz klar, aber die Folgen sind die Gleichen: A will B nicht zur Verfügung stehen, verweigert sich und fühlt sich hinterher mies, obwohl es eigentlich unnötig ist.

Eine Antwort habe ich noch nicht, bis hierhin muss ich vorerst ein “Denkstatus under construction”-Schild aufstellen. (Antwortvorschläge wie immer bitte gerne in die Kommentare)

Nun noch kurz zur Unterstellung des “Arschseins”.
Er hat es nicht gesagt, aber es kam bei mir so an, als ginge der Mensch ganz selbstverständlich davon aus, ich hielte ihn für “schlecht” oder sogar “gefährlich”, weil er mich (allein und im Dunkeln) abfing und Kontakt suchte.

Gemäß unserer Biologie sind wir Menschen alle verunsichert, wenn wir allein und im Dunkeln unterwegs sind. Das ist ein total schlauer Mechanismus, der uns im Zweifel genug Adrenalin zum Kampf oder zur Flucht ausschütten lässt, sollte aus dem Dunkel tatsächlich mal eine Gefahr auf uns zukommen. Ich brauche mich nicht dafür zu schämen oder meine Weiblichkeit als Grund für meine Vorsicht und mein mulmiges Gefühl vorzuschieben.
Und ich verstehe nicht, wo es herkommt, dass es offenbar viele andere Menschen tun und/ oder mir diese Einstellung unterstellen.

Ich denke, dass wir uns mit dieser Einstellung um viel Kontakt und damit Austausch und damit widerum um die Chance auf ein friedliches Miteinander bringen. Das macht mich traurig.

Und plötzlich denke ich, dass ich mich vielleicht dafür entschuldigen wollte.
Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie abwies, wie ich Sie abwies: Ohne zu sagen, dass es nicht daran liegt, dass ich Sie für einen “gefährlichen schwarzen Mann im Parkgebüsch” hielt.
Ohne zu sagen, dass ich einfach nur keinen Kontakt mit einem mir fremden Menschen wollte.

Ohne zu sagen, dass mir Menschen ganz grundsätzlich eine Todesangst einjagen, egal wie freundlich oder unfreundlich sie sich mir gegenüber verhalten.

15 thoughts on “der fremde männliche Mensch”

  1. Hi,
    ich persönlich denke, dass dieser Drang sich zu Entschuldigen genderunspezifisch ist, jedenfalls ist das in meiner kleinen Mikrobubble so. Ich habe eher festgestellt, dass es charakterspezifisch sein könnte und mit einen „Hang zur Harmonie“ zu tun hat. Bei mir ist es auch oft so, dass ich den Drang habe mich für etwas zu Entschuldigen, nur weil es eventuell jemand anderen nicht passen könnte. Natürlich ist es aber richtig, dass im allgemeinen der Feminismus von noch viel zu vielen männlichen Menschen belächelt wird. Dieses doch sehr archaische Verhalten finde ich sehr despektierlich. Manche sollten sich mal überlegen, in welchem Jahr wir leben.
    Nun noch zu dem „Arschloch sein“, ich denke, dass das ein Produkt aus der medialen Welt und aktuellen Situation [in der Nacht] (evtl. auch Lebensituation) ist. Schließlich hört, ließt und sieht man ja immer wieder die schlimmsten Dinge, und dass (Unter-) Bewusstsein warnt einen dann einfach.
    Grüße Tobi

  2. hmm die Medien…
    können ja nur aufgreifen (und klar überzeichnen) was bereits da ist

    Dunkelheit und Alleinsein ist für Rudeltier „Mensch“ (beider Geschlechter) schon immer gruselig. Und das ja völlig zurecht- immerhin sehen wir Menschen schlechter im Dunkeln und können Angreifer (ebenfalls egal welchen Geschlechtes) schwerer sehen. Uns ergo schwerer verteidigen. Das ist ja das was wir ausnutzen, wenn Menschen als Angreifer im Gebüsch hocken und auf ein Opfer warten.

    Worüber ich mich so wunderärgere ist dass der Mensch dachte, ich hielte ihn im sozialen Wertekontext für schlecht oder nieder- und automatisch für einen Angreifer, nur wegen dieser Umstände.
    Ich nutze „die Medien“ nicht. Denke nicht automatisch so.
    Und verstehe entsprechend nicht. 😉 Das impliziert ja auch, dass ich automatisch ein Opfer bin oder ein besonders gefährdeter Mensch.Was ich aber ja gar nicht bin.

    (Ach und- ich hab immernoch nicht herausgefunden was hinter dem Vorsatz der jungen Frau auf dem Foto steckt. Es gibt eine ganze Reihe solcher Bilder damit: Ich brauche Feminismus weil…
    Bei manchen kann ich nur sagen: Jupp- das passt und bei manchen so wie bei dem hier, stoße ich an Menschenrechte, Menschenwürde etc. nicht an Frauenrechte oder eine frauenspezifische Problematik… sehr mysteriös… 😉 )

    Dir einen guten Rutsch

  3. Klar, dass stimmt natürlich, der Mensch hat schon immer Angst vor dem Unbekannten, bzw. dem was er nicht kennt. Oftmals ist es auch so, dass die Menschen nur Schwarz und Weiß denken.
    Ich wünsche ebenfalls einen guten Rutsch!

  4. Ich finde es auch ziemlich schwer mit Menschen nicht zu interagieren, weil das von der absoluten Mehrheit leider einfach als soziales Signal verstanden wird. Dummerweise kommt es dabei auch sehr regelmäßig zu einer Eskalation, wenn man selbst nicht (für meine Maßstäbe) aggressiv auftritt: Viele reagieren auf die empfundende Ablehnung, entweder mit Beschwichtigungen oder schlicht aggressiv.

    Das ist ja das enervierend paradoxe an der ganzen Situation: Für mich ist der Versuch Nähe aufzubauen etwas anstrengendes und ich regiere ablehnend; für meinen Gegenüber ist die Ablehnung ein Zeichen, dass er sich mehr Mühe geben muss, um Nähe aufzubauen.

    Ich denke, man kann an dieser Stelle dem Feminimus zu Gute halten, dass er derartige Wirkmechanismen benennt und auch Kommunikationsstrategien versucht zu entwickeln, um solche Situation aufzulösen. Ich sehe das aber auch, wie du, nicht als ein geschlechtsspezifisches Problem an. In dieser Gesellschaft scheint der Fall, dass man einfach ungesellig ist oder aus anderen Gründen nicht mit Menschen interagieren möchte, schlicht nicht vorgesehen zu sein.

    Die manchmal geäußerte Behauptung des Feminimus, dass nur Frauen anderen Menschen zur Verfügung stehen muss, ist jedenfalls für mich nicht korrekt.

    Ich will außerdem noch was sagen: Der Blog-Post von Somlus war ganz furchtbar und ich verstehe nicht, wie man das Verhalten dort toll finden kann. Somlus hat schlicht völlig anlassunabhängig, willkürlich Menschen Gewalt angetan. Sie hat Menschen die ihr nicht das geringste taten, in einer Gruppe „komplett zur Sau” gemacht und das damit gerechtfertigt, dass es Menschen ganz gut tut, mal willkürlich in der Öffentlichkeit fertig gemacht zu werden. Ich verstehe nicht, wie man das „mutig und toll” finden kann.

  5. Naja, ob man etwas mutig oder toll findet, ist ja eine sehr subjektive Sache.
    Ich bin der ewige Feigling bei solchen Dingen- ich finde auch Menschen mutig die vor Gruppen sprechen….

    So wie ich den Text verstanden habe, ging es Somlus damals darum schlicht die Klappe aufzumachen- nicht darum die Liga der Supergerechten zu beleben. Von daher finde ich auch passend, wenn sie Situationen beschreibt (und nicht auslässt, um sich besser darzustellen), in denen sie nicht im Recht war (und wie sie sich ihr Verhalten gerechtfertigt hatte). Ich finde es gut, wenn Menschen genau die Gewalt im Alltag und „die tägliche Scheiße“ benennen und bezeichnen genau in dem Moment wenn sie passiert. Nicht, sowohl von der Situation als auch vom tatsächlichen Geschehen abstrahiert. Dem galt meine Anerkennung 😉

  6. Natürlich ist das subjektiv und ich will auch niemanden reinreden, wie er sowas zu finden hat. Nur denke ich, ist ein Großteil der geschilderten Aktionen schlicht böswillig und deskruktiv. Und damit wird ja auch genau der tägliche Scheiß produziert, gegen den man sich dann wehren will.

    Na ja, ich will dieser eigentlichen Nebendiskussion nicht zu sehr vertiefen. Mich hatte ihr Beitrag nur ein wenig aufgeregt. Vielleicht ließt man den Beitrag anders, wenn man zum potentiellen Kreis von Somlus Opfern gehört und auch entsprechende Erfahrungen gesammelt hat.

    Ich möchte jetzt auch nicht den Eindruck erwecken, ich wäre zum meckern gekommen. Im Gegenteil, finde ich deinen (oder euren? – sorry) Blog wirklich beeindruckend, im positiven Sinne und will auch niemanden inkommodieren.

    Viele Grüße

  7. So fühlte sich der Kommentar für mich auch nicht an 😉

    Ich denke, dass dort eindeutig im Prätertium geschrieben wurde, entsprechend…
    denke ich, wird wohl selbst gemerkt worden sein, was sinnig ist/war und was weniger.

  8. Frage: Hatte dich dieser fremde Mann belästigt (und das volle Kanne), weil du ihn irgendwie angelockt hast?

    Wenn nicht (wovon ich ausgehe), dann nimm es weder ihm noch dir persönlich. Er ist Opfer seiner Ängste, wegen dem musst du nicht auch Opfer deiner Ängste und Verhaltensmechanismen sein. Ich meine das nicht im geringsten anklagend, sondern wirklich ernst: Tue dir doch selbst einen Gefallen und nehme das ganze nicht tragisch, steig einfach aus, lass es los, mach es ihm nicht zum Vorwurf, denn Menschen wie er sind wohl wirklich nicht fähig zur Selbstreflektion. Und mit Vorwürfen, mit Wehren, mit Angst-Reaktionen aller Art bewirkst du nichts gutes, sondern lässt die Gewaltspirale weiterdrehen. Fakt ist, du kannst ihn nicht ändern, es sei denn du lässt dich wirklich in Liebe (nicht Freundlichkeit oder einem antrainierten Lächeln!) auf ihn ein, inkl. klaren Grenzen. Aber Ablehnung ist genau das letzte welches solche Problemmänner brauchen. Er ist dein Mitmensch auf dieser Erde mit einem Schrei nach Liebe.

    Noch konkreter, eine Möglichkeit: Lade ihn auf eine bestimmte Uhrzeit in ein bestimmtes Cafe ein (bezahlen darf er) und nehme noch einen guten Freund und/oder Freundin mit. Und dann sprich mit ihm, erklär dich ihm, hilf ihm dein Nein zu verstehen.

    Und wenn du Männer wirklich verstehen willst, dann sprich mit ihnen und höre ihnen zu und nicht deinen eigenen Gedanken, Wertsystemen, etc. Leider ist dieses „wirklich zuhören“ eine zu hohe Kunst für fast alle Menschen geworden, die sich nur noch über ihre Gedanken definieren.

  9. Hallo Dom,

    nein der Mensch hat mich nicht belästigt. Er wollte einfach nur nett mit mir sprechen- weiter gar nichts (also zumindest unterstelle ich ihm das jetzt nicht). Aber ich bin ein Mensch der Angst vor Menschen hat.
    Für mein ehinr war diese Situation höchstbedrohlich- ganz egal welche Intension er hatte. Er hätte mir auch einfach ein Werbeblättchen in die Hand drücken wollen oder was weiß ich. Von meiner Seite aus ging es also von der ersten Begegnung an nur darum den Kontakt zu vermeiden, aus Angst in eine (alte) Angstspirale (die für mich Kontrollverlust bedeutet im Sinne von dissoziativer Symptomatik) zu rutschen.

    Das „bedrängende Element“ war für mich, dass er mich insgesamt dreimal angesprochen hat und erst als ich ihn „angeraunzt“ hatte, begriff, dass es mir ernst war mit diesem Ausdruck.

    Und ich hab es ja auch im Artikel geschrieben- es tat mir wirklich leid im Nachhinein, dass ich nicht erklärt habe, dass es mir nicht um ihn als Mann-Menschen um ihn als Person ging. Dass es bei der Abwehr nur um mich und meine Angst ging- die aber eine andere Angst war, als die, von der er ausging.
    Ich hatte keine Angst davor von ihm überfallen zu werden oder so.
    Ich hatte Angst, Angst zu bekommen 😉 und wollte einfach nur so schlicht keinen Kontakt mit irgendeinem fremden Menschen.
    Ganz platt gesagt „Ich hatte schlicht keinen Bock auf irgendwen“.

    Solche Situationen sind alle (meiner Meinung nach) durch schlichtes Erklären (und selbige Akzeptieren) lösbar.
    Leider braucht es dafür Selbstreflektion und „den Kopf dafür“. Und das ist oft schwer.

  10. Also ohne auf deine Frage antworten zu können, außer einem geht mir auch so, finde ich diesen Artikel großartig geschrieben :)! Sehr schön beleuchtet und auch deine Entschuldigung finde ich toll, denn das fast ganz gut das Gefühl in Worte finde ich persönlich 🙂

  11. Meine Gedanken dazu: wer Jemanden, der das merklich nicht möchte, DREImal anspricht, der hat, ganz egal, ob Mann oder Frau, nicht verdient, daß noch mehr gesagt wird als das, was Du gesagt hast. Es war klar, deutlich und offen. Alles „mehr“ hätte ihn (so jedenfalls meine Erfahrung) nur darin bestärkt, daß DOCH eine Kommunikation, ein Gespräch, ein Kennenlernen gewünscht wäre.
    Leider kann ich auch sehr gut nachvollziehen, daß „danach“ das schlechte Gewissen kommt, und das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen- mir geht das ganz genau so, aber ehrlich gesagt, bin ich heute zum allerersten Mal darauf aufmerksam gemacht worden, daß dieses „danach-Gefühl“ vielleicht doch nicht einfach ganz selbstverständlich dazu gehört. Vielleicht MUSS man sich ja gar nicht mies fühlen, weil man Jemanden vor den Kopf gestoßen hat, wenn Derjenige das so – ja, schon: herausgefordert hat.
    Oh-ha, ich glaube, ich muß jetzt mal überlegen gehen 😉
    Danke dafür (und überhaupt für dies‘ Blog, ich lese mich seit den Blogger-Tagen hier von hinten nach vorn langsam „durch“ und denke viel- wage aber nicht, viel zu schreiben, bin ich doch völlige Laiin, was Gewalterfahrungen angeht)

  12. Hallo Fjonka
    der Blog und die Kommentarfunktion ist für alle da 😉

    Wenn du Fragen hast oder einfach etwas ergänzen möchtest oder so, mach das ruhig.
    Ich freue mich immer 🙂

    Willkommen!

  13. Hallo,
    jetzt lese ich schon ein ganzes Weilchen mit und will erst mal Danke sagen. Ich finde deinen Blog sehr schön und wichtig und ich mag deine Schreibweise.
    Zu diesem Thema möchte ich jetzt auch mal meinen Senf geben, auch wenns schon etwas her ist.
    Ich stimme Fjonka absolut zu, du hast schon beim ersten Ansprechen sehr deutlich aber höflich gezeigt, dass du keinen Kontakt möchtest. Hat er aber offensichtlich ignoriert.
    Ich sehe es so, dass er dir dann regelrecht unterstellt, dass du ihn für einen schlechten Menschen hältst. Und er bewirkt damit, dass du dich schuldig und schlecht fühlst, obwohl er sich eigentlich schlecht fühlen müsste, weil er dir Angst gemacht hat. Wenn ich so drüber nachdenke, ist das ganz schön manipulativ was er da abzieht, ob bewusst oder unbewusst. Ich finde deine Antwort genau richtig, du musst dir nicht von Jemandem sagen lassen, wann du dich bedrängt fühlen darfst oder Angst haben musst und wann nicht.
    Du hast das Gefühl in diesem Moment, egal warum, und derjenige der das auslöst und es merkt, sagt dir du siehst das ganz falsch??? Du darfst das ja gar nicht weil er ja eigentlich ganz lieb ist???
    Die richtige Reaktion eines reflektierten männlichen Menschen wäre wohl gewesen: gar nichts. Oder, wenn man(n) gemerkt hat, oh, das war jetzt nicht so doll, vielleicht folgender Satz: Es tut mir leid, wenn ich dich erschreckt habe, das wollte ich nicht. Einen schönen Abend noch.
    Da ist aber kein reines Mann/Frau-Problem sondern eher ein menschliches. In einem gewissen Grad ist es denke ich normal, dass man versucht, für die schlechten Gefühle, die man hat, einen anderen Verantwortlichen zu finden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es ungesund ist, immer bei sich selbst die Wurzel allen Übels zu vermuten. Es gibt natürlich auch das andere Extrem, in dem man gar keine Verantwortung mehr für sein Fehlverhalten bei sich selbst sieht.

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