Lauf der Dinge

hidden track- hidden message- hidden thoughts

Phu!
Ich habs geschafft! Ich hab mir diesen viel besprochenen Song der Herren Naidoo und Savas angehört.

Ich sags schonmal vorweg: zu Gewalt fühle ich mich nicht aufgerufen!
Eigentlich hab ich nur den Eindruck mit dem Song vor eine Art von hilflos um sich schlagender Wut, Ohnmacht, Hilflosigkeit und… ja  unendlicher Trauer gestellt zu werden.
Was im weiteren Schritt auf mich auch ein Stück wie Gewalt wirkt.
Sagt es doch: “Hier! Guck! Aushalten! Zieh dir das rein! Wie schlimm das is und wie schlimm ich das find! Mir egal was du denkst. Mir egal, ob ich deine Grenzen damit niederwalz`-  ich will, dass du das jetzt checkst! BadaBÄÄÄM!”

Dass ich persönlich nen Klatsch weg habe, was diesen Punkt der Betroffenheit Aussenstehender über sexuelle Misshandlung, Ausbeutung und den Themenkreis der (pädo)kriminellen Machenschaften, die sich hinter dem Begriff des (satanisch/ okkulten/ sexualmagisch/ oder auch allgemein “kult-mäßig” aufgezogenen) rituellen Missbrauchs versteckt,  angeht, weiß ich und die meisten meiner Leser hier, werden das für sich auch schon gemerkt haben.
Ich kann mit solchen Gefühlen einfach wirklich nicht umgehen und suche entsprechend immer den sachlichen Weg der Auseinandersetzung mit dem Thema.
Gut, das ist mein Weg. Andere Betroffene (von (sexueller) Misshandlung), so wie Herr Naidoo, finden ihr Ventil offensichtlich in viel karikativer Tätigkeit, ihrer Musik und vielleicht eben auch in dieser Art Gegengewalt.

Ich bin ein Freund davon, wenn sich Personen des öffentlichen Lebens einsetzen und sich als Sprachrohr für viele Menschen anbieten. Das ist wirklich eine großartige Sache! Gerade beim Thema der sexuellen Misshandlung bzw der sexualisierten Gewalt spielen Scham und die große schlimme Sprachlosigkeit eine entscheidende Rolle.
Wie schön, wenn jemand seine Stimme und seine Kommunikationsfähigkeit für andere hergibt! Was für ein riesen Ding! Was für eine Hoffnung so etwas produzieren kann!

Wenn man sich offen hinstellt und spricht!

Eine Frage die sich mir stellt bei diesem “hidden Track”: Wieso wurde er versteckt? Es ging doch darum auf etwas aufmerksam zu machen- warum also eine dunkle Ecke auf der CD?
Wieso so ein Gleichnis?
Es (das große unbenannte ES) passiert in einer Nische- mitten drin- doch unentdeckt, wenn nicht durch Zufall oder Hören-sagen jemand davon erfährt.
Es sollte doch etwas verändert werden- Aufmerksamkeit auf etwas gelenkt werden! Wenn dem so ist, dann erwarte ich so einen Song mitten in der Playlist!

Es ging darum auf rituellen Missbrauch aufmerksam zu machen. Aha. Das Wort taucht gar nicht auf in dem Song. Warum nicht? Steht eine Definition im Booklet? Neben den Anlaufstellen für die Opfer die durch Song angetriggert werden und in die Dekompensation rutschen?

Das Thema des rituellen Missbrauchs ist wirklich ein Schweres und Komplexes!
Es ist zu groß für einen Song!
Und mir stellt sich ernsthaft die Frage, ob wir es hier mit einer Affektabfuhr (die sicherlich irgendwo gerechtfertigt und wichtig für die Küntler sein wird!)  zu tun haben oder, ob es um die ernsthafte Auseinandersetzung mit Gewalt, die täglich passiert und die nachwievor nur allzugern in den Bereich der (Opfer-)Fantasie geschubst wird, geht.

Die Art wie der Text von Perspektive zu Perspektive hopst, erinnert mich an unsere ersten Versuche erlebte Gewaltsituationen aufzuschreiben: Mal von aussen und direktiv an jemanden (aussen) gerichtet, mal von aussen und frei von Emotion, mal von oben drauf, mal ganz heraus und geistig weiter spinnend und mal auch mitten im Schmerz/ der Wut/ der Verachtung welche weder Ende noch Anfang im Aussen hat.
Für mich ist das normal- so setzt sich nicht nur mein Erinnern an erlebte Gewalt zusammen, sondern auch mein Alltagsempfinden- das ist nun einmal DIS. Entsprechend kann ich mir dieses Gestückel und Gespringe recht gut einordnen. Doch wenn ich mir ansehe wie Aussenstehende auf sowas- schon aus meinem ganz normalen Alltagskampf heraus, reagieren, nämlich: mit kompletten Unverständnis, Ratlosigkeit und Ungläubigkeit…ja.. hm was wundert mich dann eigentlich noch der Wirbel um den Song?

Es war ein mutiger Versuch!
Es ist eine große Sache, auch wenn die Massenmedien “das Ganze” schon wieder unter den von der Gesellschaft (mit)hochgehaltenen Teppich kehren wollen.
Mir zeigt es: das Thema/ die Sache/ “das große böse ES” erreicht manche Menschen und diese Menschen haben Gefühle dazu. Und diese Gefühle haben sie tranportiert.
Sie meinten es gut und wollten, dass viele andere Menschen Anteil nehmen- entweder an dem worüber sie “singen” oder an dem was der Inhalt mit den Künstlern macht.

Einzig die Art ist es, die mir aufstößt und mich fragen lässt, ob es nicht unterm Strich sogar sie sein wird, die uns Betroffenen dieser Form von Gewalt, nicht vielleicht doch sogar eher schadet.

Auf der Internetseite von Xavier Naidoo ist eine kleine “Stellungnahme” zu dem Song zu lesen. Wie so oft in dem Zusammenhang mit rituellem Missbrauch, mit einem Hinweis auf den Film “Höllenleben”. Auch diesen Film halte ich für ein Transportmittel von Wut und Trauer- nicht für ein aufklärendes, verständnisförderndes “Werk”. Jetzt wird sich der Film wieder zig mal angeguckt, ohne die Frau, um die es darin geht, daneben, um direkt Fragen und Eindrücke loszuwerden. Erklärt zu bekommen. Das Bild zu vervollständigen. Schon wieder!
Schade!

Schade um die Chance!
Schade darum, dass die Scherben wieder jene zusammenkehren, die eigentlich nicht die Kapazitäten dafür haben, neben ihrem Elend durch Betroffenheit auch noch um Glaubwürdigkeit und Verständnis zu kämpfen!

8 thoughts on “hidden track- hidden message- hidden thoughts”

  1. Aufklärend is so ein Song wie „Wo sind“ sicherlich nur sehr bedingt. Sachliche Informationen sind auf sinnvolle Weise nicht mit Musik zu transportieren – so glaube ich jedenfalls. Es ist dafür nicht das richtige Medium. Mit Musik transportiere ich Emotionen, mit entsprechenden Texten verstärke und lenke ich das.

    Wenn man tatsächlich Aufklärungsarbeit leisten möchte, dann ist es wohl geschickt verschiedene Medien zu wählen. Ein Vortrag eines Sektenbeauftragten mag informativ sein um Funktionen und Hintergründe verstandsmäßig zu erfassen, für ein Erfassen der emotionalen Tragweite sind Erfahrungsberichte, z.B. in künstlerischer Form bestimmt geschickter.

    Informiert hat der Song garantiert nicht… bzw. kaum. Er hat bisher Stoff für Diskussionen geliefert, die leider arg am Thema vorbei sind und sich an Einzelheiten aufhängen, um die eigenen Ansichten der diskutierenden Parteien in den Vordergrund schieben. Meiner Meinung nach die falschen Diskussionen, das enttäuscht mich.

    Was das verstecken des Tracks betrifft… nun, wenn du möchtest, dass jeder mitbekommt, was du tust, tu es heimlich. Ich glaube auch, dass der Track dadurch eine Art Image bekommt. Irgendener wird ihn zufällig finden, der Track ist hart, zieht Aufmerksamkeit, dieser jemand wird wahrscheinlich seine „Entdeckung“ teilen usw. Es hat ja funktioniert, es ist der meistbeachtete Titel des Albums.

    Im Letzten bin ich selbst tatsächlich meist recht froh, wenn Themen, vor denen man gern die Augen verschließt, ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden, egal ob es um Tod, schwere Krankheit oder Gewalt handelt.

  2. „nun, wenn du möchtest, dass jeder mitbekommt, was du tust, tu es heimlich“

    Naananananaaa gefährliche Ansage!
    Sowas mag für konsumkapitalistische Bestrebungen und Machtgewinn- orientierte Dinge gelten- aber nicht für Dinge, wie rituellen Missbrauch bzw. das was damit (mit dieser Art Gewalt) erreicht werden will!
    Für das Geld, dass die pädokriminelle Gewaltdokumention einfährt interessiert sich jeder- diese Information wird auch öffentlich gemacht- aber was mit den Opfern geschieht, was in ihnen vorgeht,wenn sie nackt und gefoltert fotographiert werden interessiert niemanden! Sowas kann man auch öffentlich machen- es wird niemals die gleiche Aufmerksamkeit wie Ersteres bekommen! Von Elend kann nur profitieren, der es a) verursacht b) verkauft oder c) darstellt!

    So funktionieren unsere Medien.
    Noch nicht einmal wirklich unsere Gesellschaft.
    Deshalb ist es ja so schade, wenn die Herren Naidoo und Savas nur bei dem Song bleiben und nichts weiter folgt…

  3. Ich habe mir gerade den Songtext durchgelesen, nachdem die Diskussionen ja inzwischen überall sind. Bin ja neugierig und wollte wissen worum es genau geht. Ich finde diesen Text sehr gut, Er ist hart und direkt aber gut. Wünschen wir uns nicht immer, dass dieses Thema der rituellen Gewalt, des Kindesmissbrauchs etc. in die Öffentlichkeit kommt?. Diese beiden Sänger verhelfen dazu auf ihre Art und Weise und im Bereich ihres Möglichen. Was ja immerhin dadurch geklappt hat das es nun zu solchen ausführlichen Diskussionen an allen Ecken kommt.
    Der Text ist schon hart. Uns erinnert es aber an etwas was wir getan haben im Alter von ca. 14-15 Jahren. Wir haben auf unsere Art und Weise versucht um Hilfe zu schreien. Das taten wir indem wir immer und zu jeder Zeit laut ein Lied von den Bösen Onkelz gehört haben, welches eigentlich verboten ist, weil es sehr direkt um Kindesmissbrauch geht. Für uns war dieses Lied damals unglaublich wichtig. Zum einen Hilfeschrei, zum andern ein Gefühl von, ich bin damit nicht allein.

  4. Und wie wurde dir dann letztlich geholfen?
    Ich denk wir müssen diese Trennung unbedingt im Blick behalten!
    Kunst hat leider nicht (mehr) die Macht wie sie früher durchaus hatte.
    Wir leben in Zeiten in denen plakatives Draufzeigen allein einfach nicht reicht um zu verändern. Wem hilft es, alles zu wissen, aber dann doch keine Hilfe zukommen lassen zu können?
    Uns wird nicht geholfen, indem man draufzeigt und sagt: „Guck hier wie schlimm!“
    Und wird geholfen, indem uns geglaubt wird, wir (evtl. durch eine Therapie) heilen dürfen und wenn wir in unserem Elend einfach anerkannt werden.
    Doch dafür sind andere Sachen nötig als ein Song.

  5. Du hast recht, tatsächlich geholfen hat mir deshalb niemand. Außer das sich natürlich alle fragten, was mit diesem komisch, verwirrten Kind denn nur los ist. ABER es hat uns geholfen ein Teil des inneren Schreis rauszulassen. Einfach auf irgendeine Art und Weise etwas raus zu lassen was man anders niemals gekonnt hätte.

  6. Ich meinte damit auch nich, dass das mein Credo ist. Und ja, das ist ne Aussage, die ich ausm Marketing her kenne (es war nur ne geschicktere Formulierung, die ich aber beim besten Willen nicht mehr zusammenbekam 😉 ). Wird natürlich auch missbraucht (grad wenn man von der Wirtschaft spricht).

    Ich kann den Song z.B. auch als nicht mehr, als einen Anfang sehen. Alleine für sich genommen transportiert er auch nur einen Bruchteil dessen, was man rüberbringen möchte, wenn man das Thema rituelle Gewalt behandelt.

    Ich kann da auch nicht sagen inwiefern wir etwas voreingenommen sind. Wir arbeiten gerade mit einer Gruppe Menschen zusammen, die Projekte zum Thema Kinderhandel, trafficing usw. machen. Einige dieser Menschen sind Musiker und wollen das Thema musikalisch verarbeiten. Textliche Schocker wie bei Xavas wirds nich geben, aber die Schiene is ähnlich. Auch hier ist es so, dass ein einzelner Song nicht ausreicht, wenn man informieren will, aber er kann besser Emotionen transportieren, als es ein Vortrag täte. Darum wird hier ein „Multi-mediales“ Projekt erarbeitet, Musik, Kunst, Vorträge, Erfahrungsberichte, ne Doku usw.

    Find die Diskussion hier dazu richtig gut für mich, weils halt n cooles Feedback für diese „Projektarbeit“ is.

  7. Ja in genau solchen „Rundumpaketen“ sehe ich auch ganz erheblich mehr Chance für direkte echte Hilfe durch Aufklärung.
    Und sich immer wieder in Erinnerung bringen damit… Das geht auch leichter,w enn zuBeginn gleich alle Kanäle angesprochen werden…

    Hm… tja
    Es muss laufen wie bei der Abrichtung/Programmierung von Lebewesen… was für ein Zynismus!

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