Lauf der Dinge

das erste Mal einen Film zum Thema geschaut- über Medien zum Thema DIS

Hm….

Also, ich hab mir vor ein paar Tagen einem Film zum Thema DIS angesehen. Es handelt sich um die Verfilmung des Buches “Sybil”.

Erstmal scheint es wohl zwei FIlme zu geben. Einen mit Sally Field als Sybil und einen mit Jessica Lange als Dr. Wilbur. Bis ich das gemerkt und verstanden hatte… naja lassen wir das- ich bin im Stress Zwinkerndes Smiley

Ja, wie finde ich den Film?  Schon gut, rund.. aber auch ein bisschen hm-ig. Ich hab ihn mir gestern abend nochmal angesehen und versucht mir vorzustellen, wie er auf Menschen wirkt, die nicht so viel über DIS wissen. Das Ergebnis war: Aaaaargh! Wieso fängt er so gut an und endet so … <— Platz für ein Wort, dass mir nicht einfällt.

Also in der ersten Szene in der sie ein Glas fallen lässt hab ich mich 1:1 wieder erkannt- aber in den letzten 10 Minuten dachte ich nur:  Nein Nein Nein- so geht das gar nicht >_<

Zwischendrin gibts auch noch eine Szene in der die Frau mit zwei Händen gleichzeitig malt und ich weiß nicht-5? 6? Innenpersonen nacheinander der Frau Doktor sagen, wer sie sind. Ääääh  HM?!? Auf welchem Planeten?

Ich hab mir überlegt ob heute noch mit Hypnose gearbeitet wird. Ich weiß es nicht genau- aber ich kanns mir ncht vorstellen. Bei mir reicht schon autogenes Training oder diverse andere Entspannungstechniken um mich abzuschießen- das ist dann aber keine Hypnose- das wär dann einfach nur: Guten Tag (Hr./Fr. TherapeutIn) ich bin Innen XY und ich bin hier, weils zuviel ist hier so ungeschützt rumzuliegen und womöglich sein Denken auszuschalten, damit sie weiß der Himmel was mit Körper und Geist anstellen können”

Zu der Zeit damals- als Frauen allesamt hysterisch wegen ihres Hormonhaushaltes waren (Boa ich könnt schreihen wenn ich drüber nachdenke!) war Hypnose glaube ich noch irgendwie das Mittel für alles. Das war das, was wir heute in Pillenform anhimmeln: auf verborgen wundersame Weise wird man geheilt- keiner weiß genau wieso- aber es wirkt… ha    ha  -.-

Ich weiß jetzt jedenfalls wieder wieso ich mir Bücher von Multiplen oder Filme über selbige ungern ansehe bzw.lese: Sie regen mich auf. Und bei manchen entzieht sich mir der Sinn oder die Botschaft auch völlig. Das gibts zum Beispiel ein Buch von Barbara Nepeis mit dem Titel “Mein Leben als Multiple oder Ein endloser Kampf”.  Ich fand es sehr schwer zu lesen und verstanden habe ich (hoffentlich- weil sonst wäre es echt nichts) nur die Hälfte. Dann gibts noch den Skandalkracher: “Vater unser in der Hölle”. Ja… äh Sinn? Ich hab mir das Buch ausgeliehen und schon nach ein paar Seiten und ein bisschen durchblättern gedacht, dass ich eigentlich auch grad mit dem Hund rausgehen könnte… wäre halt auch verbrauchte Zeit. Sogar ohne Trigger.

Ich verstehe nicht, wieso sich manche Menschen so zur Kuriosität machen. Und wieso die, die es nicht tun, zu einer gemacht werden. Und- und das ist ja etwas dass mich zur Zeit sehr umtreibt: wieso gibt es nur Medien zu Multiplen, die sie in einem Zustand zeigen, in dem sie nicht wissen wo oben und unten ist? Wieso gibt es noch keine Medien die aufzeigen wie eine Entwicklung sein kann? Ich hab gemerkt, dass zwar überall auf eine lange Behandlungsdauer hingewiesen wird, aber mit genauen Angaben wird sich zurück gehalten. (Was an sich schon nicht schlimm ist- es ist eben bei jedem anders und nicht vorhersehbar- aber es wird sich ja oft vorher auch nicht mit Angaben darüber zurückgehalten wieviel Gewalt und Qual nötig war um jemanden zerbrechen zu lassen).

Wieso gibt es keine Medien darüber wie sich ein multipler Mensch durch die Krise der- ja irgendwo: Selbst- Erkenntnis beißt und allen Einschränkungen (hier fänd ichs gut, mal ein paar der anmaßenden Gutachterberichte für die Krankenkassen, die unmöglichen Praktiken der Versorgungsbürokratie und die ständigen Existenzängste die damit einher gehen zu zeigen) zum Trotz zur Arbeit und zur Therapie geht. Wie normal ein Leben sein kann,  auch wenn im Inneren die Hölle tobt. Wie trivial und schlicht nötig und logisch es vor dem Hintergrund der eigenen Geschichte ist eben multipel zu sein.

Irgendwie muss diese Notwendigkeit doch einsehbar sein. Doch woran scheitert das immer wieder? Ist es das Geld? Wieso gibts zu jeder Katastrophe einen ewig langen Beitrag, zusammengeschnitten aus Archivmaterial und 5 Sätzen die ständig wiederholt werden- aber Geschichten von unsichbaren Kämpfen und individuellen Siegen nicht?  Das ist doch der Sinn hinter Journalismusund Dokumentarimus: Sichtbarmachen, was verborgen ist. (Oder hab ich da was falsch verstanden? Ich erinnere mich nicht in der Berufsbeschreibung gesehen zu haben, dass man mithelfen soll eine Meinung in die Massen zu stampfen die von der aktuellen Realität maximal entfernt ist.)

Oder liegts am Interesse? Bei über 83.000 Zugriffen auf den Sybil-Film, über  747.000 Suchergebnissen im Internet auf den Begriff “multiple Persönlichkeit” fällts mir schwer zu glauben.

Es gibt viele Komponenten die mir noch mehr einfallen. Aber entweder ist mein Fokus zu eng oder es gibt schlicht nur noch niemanden der das auch so sieht und ändern kann.

Soll man echt darauf warten?

3 thoughts on “das erste Mal einen Film zum Thema geschaut- über Medien zum Thema DIS”

  1. Hypnotherapie ist nicht das gleiche wie die „bekannte“ Jahrmarktshypnose. Und mit die wichtigsten Methoden innerhalb der Traumatherapie (auch bei DIS) kommen aus der Hypnotherapie (Imaginationen nach Reddemann und EMDR). –

    Für TraumatherapeutInnen, die mit Betroffenen mit DIS arbeiten, ist es sehr wichtig, sich die komplexe, vielschichtige Innendynamik ihrer KlientInnen vorstellen zu können. Und dazu tragen Bücher wie gerade das von Barbara Nepeis enorm viel bei. Auch wenn die seelische Struktur bei jedem Menschen mit DIS anders ist, tragen solche Dokumente zur Sensibilisierung von TherapeutInnen für mögliche Konstellationen bei. Kann sein, daß sie tatsächlich für selbst Betroffene gar nix bringen, eben weil jede(r) sich um die eigene psychische Struktur kümmern muß und durch solche detailierten Berichte anderer davon eher nur abgelenkt wird. –

    Es gibt tatsächlich zwei Filme „Sybil“. Der ursprüngliche ist von 1976, bei dem hat Cornelia Wilbur noch beratend mitgewirkt, und dann ein Remake von 2006. Ich finde sie beide sehenswert und ok – mit unterschiedlichen Gewichten. Den ersten gibt auch auf deutsch, alle beide (auf englisch) bei YOU TUBE.

  2. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Kenntnis über die Innenwelt anderer Menschen die TherapeutInnen weiterbringt (in dem Sinne, dass sie sie vielleicht von dem ablenkt, was die KlientInnen sagen und Erwartungen an die KlientInnen gestellt, werden, die nicht erfüllbar sind).

    Ich persönlich bin nicht Hypnoseaffin- habe das noch nie zugelassen und auch nicht vor mich jemals darauf einzulassen- egal in welcher Form oder Abwandlung.

    Das ist etwas worüber ich Dankbarkeit gegenüber meinen BehandlerInnen empfinde. Zu keinem Zeitpunkt wurde mir das vorgeschlagen oder empfohlen oder gar aufgezwungen.

    Und zum Film habe ich mich bereits kritisch geäußert. Ich finde bei Versionen absolut überdramatisiert und an meiner Lebensrealität komplett vorbei.
    Es ist eine Jahrmarktshow auf dem Rücken der Diagnose und vieler Menschen mit DIS für mich.
    Aber das ist eine subjektive Einschätzung.
    Anderen Menschen kann es da anders gehen und das lasse ich so stehen.

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